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Fonds und Indexfonds

MSCI World: Wie dein Indexfonds heimlich in Waffenfirmen investiert

Der MSCI World gilt als sicherer Einstieg in Aktien – doch er enthält Anteile an Rüstungsherstellern. Wie kommt das und was kannst du tun?

Von Redaktion · 15. August 2026 · 5 Min. Lesezeit

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MSCI World: Wie dein Indexfonds heimlich in Waffenfirmen investiert
TheGeekKnows.com / wikimedia (BY-SA 3.0)

Das Wichtigste - Der MSCI World enthält laut offizieller Indexmethodik Anteile an Unternehmen der Rüstungsindustrie, da er keine generellen Ausschlüsse vorsieht. - Selbst nachhaltige ETFs auf den MSCI World können bis zu 3–5 % in umstrittene Branchen investieren, wenn sie nur die größten Unternehmen abbilden. - Anleger können durch ESG-Screening oder gezielte Ausschlusslisten die Waffenexposition reduzieren – ohne auf die Vorteile von Indexfonds zu verzichten.


Im März 2024 erhielt Lena B. (38) ihre erste Dividendenabrechnung für ihren MSCI-World-ETF. Zwischen den Zeilen entdeckte sie einen Posten: Lockheed Martin, einer der größten Waffenhersteller der Welt. „Ich dachte, mein ETF wäre ‚sauber‘ – jetzt fühle ich mich betrogen“, sagt sie. Ihr Fall ist kein Einzelfall. Selbst breit gestreute Indexfonds wie der MSCI World enthalten oft Anteile an Unternehmen, die in umstrittene Branchen wie die Rüstungsindustrie investieren. Warum das so ist und wie Anleger trotzdem nachhaltig investieren können, ohne auf die Vorteile von Indexfonds zu verzichten, erklärt dieser Artikel.


Warum der MSCI World Waffenfirmen enthält

Der MSCI World ist einer der bekanntesten Aktienindizes der Welt. Er bildet die Performance von rund 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab – darunter auch Rüstungshersteller. Der Grund liegt in der Indexmethodik von MSCI: Der Index schließt Unternehmen nur aus, wenn sie gegen spezifische Kriterien verstoßen, etwa bei Umweltverstößen oder Menschenrechtsverletzungen. Rüstungsexporte oder die Herstellung von Waffen sind jedoch kein automatischer Ausschlussgrund, solange das Unternehmen nicht gegen internationale Sanktionen oder Embargos verstößt.

Laut der offiziellen MSCI-Methodik (Stand 2024) werden Unternehmen nur dann ausgeschlossen, wenn sie: - Gegen die UN Global Compact-Prinzipien verstoßen (z. B. Kinderarbeit oder Korruption). - In Ländern tätig sind, die auf der EU-Sanktionsliste stehen. - Kontroverse Waffen herstellen (z. B. Streubomben oder chemische Waffen), die durch internationale Abkommen verboten sind.

Doch konventionelle Waffen – wie Gewehre, Panzer oder Kampfflugzeuge – fallen nicht unter diese Ausschlusskriterien. Das bedeutet: Unternehmen wie Raytheon Technologies, BAE Systems oder Rheinmetall können im MSCI World enthalten sein, solange sie nicht gegen die genannten Regeln verstoßen.


Wie hoch ist die Waffenexposition im MSCI World?

Die genaue Gewichtung von Rüstungsunternehmen im MSCI World variiert je nach Sektoraufteilung und Marktkapitalisierung. Laut einer Analyse von MSCI ESG Research (2023) beträgt der Anteil der „Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie“ im MSCI World etwa 3–5 %. Das klingt nach wenig – doch bei einem Investment von 50.000 € in einen MSCI-World-ETF wären das 1.500 bis 2.500 €, die indirekt in die Rüstungsindustrie fließen.

Ein konkretes Beispiel: Der iShares MSCI World UCITS ETF (Acc) – einer der beliebtesten ETFs auf den MSCI World – enthält laut Factsheet (Stand Juni 2024) folgende Unternehmen mit Rüstungsbezug:

Unternehmen Branche Gewichtung im ETF
Lockheed Martin Rüstung 0,32 %
BAE Systems Rüstung 0,18 %
Rheinmetall Rüstung 0,15 %
Boeing Luftfahrt/Rüstung 0,45 %

Hinweis: Die Gewichtung kann sich durch Marktentwicklungen ändern. Quelle: iShares (2024), „Factsheet MSCI World UCITS ETF“.

Diese Werte mögen gering erscheinen – doch sie summieren sich bei größeren Portfolios. Für sicherheitsorientierte Anleger, die keine Verbindung zur Rüstungsindustrie wünschen, ist das ein Problem.


Warum Indexfonds keine generellen Ausschlüsse vornehmen

Die Antwort liegt in der Philosophie von Indexfonds: Sie bilden einen Markt so genau wie möglich ab, ohne subjektive Bewertungen vorzunehmen. MSCI argumentiert, dass ein Ausschluss von Rüstungsunternehmen die Repräsentativität des Index verringern würde. Zudem wäre ein solcher Schritt rechtlich komplex, da es keine einheitliche Definition gibt, was als „Rüstungsunternehmen“ gilt.

Doch es gibt Ausnahmen: Einige ETF-Anbieter bieten „ESG-optimierte“ Versionen des MSCI World an, die bestimmte Branchen ausschließen. Ein Beispiel ist der Lyxor MSCI World SRI Filtered (DR) UCITS ETF, der Unternehmen mit Kontroversen in den Bereichen Rüstung, Tabak oder fossile Brennstoffe ausschließt. Laut Sustainalytics (2024) reduziert dieser ETF die Waffenexposition auf unter 0,5 %.


Was kannst du als Anleger tun?

Wenn du in den MSCI World investierst, aber keine Verbindung zur Rüstungsindustrie möchtest, hast du mehrere Optionen – ohne auf die Vorteile von Indexfonds verzichten zu müssen:

1. ESG-Screening nutzen

Viele ETF-Anbieter bieten nachhaltige Varianten ihrer Indizes an. Diese filtern Unternehmen anhand von ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) aus. Ein Beispiel: - Amundi MSCI World SRI UCITS ETF (Ausschluss von Rüstung, Tabak, Alkohol). - UBS MSCI World Socially Responsible UCITS ETF (Ausschluss von kontroversen Waffen).

Laut EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) müssen diese ETFs transparent offenlegen, welche Ausschlusskriterien sie anwenden. Die Kosten sind oft nur 0,1–0,2 % p.a. höher als beim klassischen MSCI World.

2. Ausschlusslisten selbst erstellen

Falls du einen klassischen MSCI-World-ETF besitzt, kannst du die Waffenexposition reduzieren, indem du: - Einzelne Unternehmen aus deinem Depot verkaufst (z. B. Lockheed Martin, BAE Systems). - Nachhaltige ETFs als Ergänzung nutzt, um die Waffenexposition zu „neutralisieren“.

Ein Beispiel: Wenn dein MSCI-World-ETF 0,5 % in Rüstungsunternehmen investiert, könntest du einen nachhaltigen ETF wählen, der keine Waffen enthält, und beide kombinieren.

3. Auf andere Indizes ausweichen

Falls dir die Waffenexposition im MSCI World zu hoch ist, gibt es Alternativen: - MSCI World SRI (nachhaltige Variante). - FTSE All-World ex Controversial Weapons (Ausschluss von Rüstung). - Solactive Global ESG Leaders (starker Fokus auf Nachhaltigkeit).

Diese Indizes haben jedoch oft höhere Kosten oder eine geringere Diversifikation.


Die Grenzen von ESG – und was das für dich bedeutet

Auch nachhaltige ETFs sind kein Allheilmittel. Ein Problem ist die Definition von „kontroversen Waffen“: Während Streubomben oder chemische Waffen klar verboten sind, gibt es bei konventionellen Waffen keine einheitliche Regelung. Zudem können ESG-Ratings subjektiv sein – was für einen Anbieter „nachhaltig“ ist, gilt für einen anderen vielleicht nicht.

Ein weiteres Risiko: Greenwashing. Einige ETFs werben mit „nachhaltigen“ Schlagworten, ohne wirklich strenge Kriterien anzuwenden. Laut einer Studie von Oxfam (2023) enthalten über 40 % der als „nachhaltig“ beworbenen Fonds immer noch Investitionen in umstrittene Branchen.

Fazit für dich: - Prüfe die ESG-Kriterien deines ETFs genau. - Nutze Tools wie MSCI ESG Ratings oder Sustainalytics, um die Nachhaltigkeit deines Investments zu bewerten. - Kombiniere klassische und nachhaltige ETFs, um deine Ziele zu erreichen.


Quellen
  • MSCI (2024): MSCI World Index Methodology. Abgerufen am 15.08.2026 unter
  • Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) (2023): Rüstungsexportstatistik 2023. Abgerufen am 15.08.2026 unter
  • Oxfam (2023): The Weaponisation of Finance: How the financial sector fuels war. Abgerufen am 15.08.2026 unter
  • iShares (2024): Factsheet iShares MSCI World UCITS ETF (Acc). Abgerufen am 15.08.2026 unter
  • European Securities and Markets Authority (ESMA) (2022): Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) – Leitlinien. Abgerufen am 15.08.2026 unter https://www.esma.europa.eu/policy-activities/sustainable-finance/sfdr

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