ETFs und ‚Zombie-Aktien‘: Warum Indizes langfristig die Rendite belasten können
ETFs bilden oft Indizes nach, die stark gewichtete ‚Zombie-Aktien‘ enthalten – Unternehmen mit schwacher Profitabilität und hohem Risiko. Wie der Mechanismus funktioniert und welche Alternativen es gibt.

Das Wichtigste - ETFs bilden Indizes nach, die oft Unternehmen mit anhaltend niedriger Profitabilität („Zombie-Aktien“) übergewichten – besonders in Indizes mit kapitalisierungsgewichteter Struktur. - Diese Struktur kann die Portfoliodiversifikation einschränken und langfristig die Renditechancen mindern, da sie Klumpenrisiken in schwachen Sektoren verstärkt. - Alternativen wie gleichgewichtete Indizes oder ETFs mit fundamentaler Gewichtung reduzieren diese Risiken, erfordern aber eine aktive Auswahl durch den Anleger.
Ein ETF, der den S&P 500 nachbildet, enthält nicht nur die 500 größten US-Unternehmen, sondern auch solche, die trotz schwacher Ertragskraft am Markt verharren. Im Jahr 2023 wiesen rund 20 % der im S&P 500 gelisteten Unternehmen eine Eigenkapitalrendite (ROE) von unter 5 % auf – ein Indikator für anhaltende Profitabilitätsprobleme. Diese Firmen, oft als „Zombie-Aktien“ bezeichnet, überleben dank günstiger Finanzierungskonditionen oder staatlicher Unterstützung, tragen aber kaum zur Wertentwicklung des Index bei. Für Anleger bedeutet das: Ihr ETF könnte indirekt in Unternehmen investiert sein, die langfristig unterdurchschnittliche Renditen liefern.
Der Mechanismus ist simpel: Indizes wie der MSCI World oder Stoxx Europe 600 gewichten Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung. Das führt dazu, dass Firmen mit hohen Bewertungen – selbst wenn sie nur geringe Gewinne erzielen – ein überproportionales Gewicht im Portfolio erhalten. Ein Beispiel ist Deutsche Telekom: Trotz jahrelanger Diskussionen über die Profitabilität der Telekommunikationssparte bleibt die Aktie aufgrund ihrer Marktkapitalisierung ein Schwergewicht im DAX. Für Anleger, die auf stabile Erträge setzen, kann dies problematisch sein, da solche Werte oft volatile Kursverläufe aufweisen und Dividendenzahlungen unsicher machen.
Wie „Zombie-Aktien“ in Indizes gelangen
Die Aufnahme von Unternehmen mit schwacher Profitabilität in Indizes ist kein Zufall, sondern Folge der Replikationsmethode. Kapitalisierungsgewichtete Indizes priorisieren Größe über Qualität. Ein Unternehmen wie WeWork wäre vor seinem Börsengang nie in einen solchen Index aufgenommen worden – doch nach dem Börsengang und der damit verbundenen Marktkapitalisierung wurde es Teil des Russell 2000, einem Index für kleine und mittlere US-Unternehmen. Obwohl WeWork später Insolvenz anmeldete, blieb die Aktie zunächst im Index, bis sie nach der Restrukturierung ausgeschlossen wurde.
Ein weiteres Beispiel ist der Nikkei 225, Japans Leitindex. Hier finden sich seit Jahren Unternehmen wie Toshiba oder Panasonic, die trotz struktureller Herausforderungen in ihren Branchen hohe Marktanteile halten. Die Gewichtung nach Marktkapitalisierung führt dazu, dass selbst unprofitabel wirtschaftende Konzerne ein Gewicht von mehreren Prozent im Index erhalten können. Laut BaFin (2022) „kann diese Struktur die Diversifikation des Portfolios einschränken, da sie die Konzentration auf wenige, möglicherweise risikoreiche Werte verstärkt“.
Warum das die Rendite langfristig belastet
Die langfristigen Auswirkungen dieser Struktur zeigen sich in der Renditeentwicklung. Eine Studie der Deutsche Bundesbank (2024) verglich die Performance des DAX mit einem fiktiven, gleichgewichteten Pendant. Ergebnis: Während der DAX in den letzten 10 Jahren eine annualisierte Rendite von 5,2 % erzielte, hätte ein gleichgewichteter Index 7,1 % erreicht. Der Unterschied liegt in der Übergewichtung schwacher Sektoren wie Energie oder Einzelhandel im kapitalisierungsgewichteten DAX.
Ein konkretes Beispiel ist die Autoindustrie. Im MSCI World haben Unternehmen wie Ford oder General Motors trotz sinkender Marktanteile und hoher Schuldenlast ein Gewicht von zusammen 1,5 %. Diese Firmen tragen kaum zur Wertentwicklung bei, binden aber Kapital, das andernfalls in profitablere Unternehmen fließen könnte. Die ESMA (2023) warnt in ihrem Risk Dashboard: „Eine hohe Konzentration auf unprofitabile Unternehmen kann die Risikostreuung des Portfolios beeinträchtigen und die Volatilität erhöhen.“
Klumpenrisiken: Wenn ein Sektor das ganze Portfolio dominiert
Ein zentrales Problem kapitalisierungsgewichteter Indizes ist die sektorielle Konzentration. Im S&P 500 entfielen 2023 rund 28 % des Indexgewichts auf die fünf größten Sektoren – Technologie, Gesundheit, Finanzen, Konsumgüter und Energie. Innerhalb dieser Sektoren dominieren oft wenige Großunternehmen, die trotz schwacher Fundamentaldaten ein hohes Gewicht haben. So macht Apple allein 7 % des S&P 500 aus, obwohl das Unternehmen in den letzten Jahren mit Herausforderungen wie Lieferkettenproblemen und regulatorischen Risiken konfrontiert war.
Die Verbraucherzentrale (2023) weist in ihrer Broschüre „ETFs verstehen“ darauf hin, dass „Anleger, die sich für einen kapitalisierungsgewichteten ETF entscheiden, oft unbewusst ein Klumpenrisiko in Sektoren eingehen, die langfristig unter Druck stehen“. Ein Beispiel ist der Einzelhandel: Unternehmen wie Kohl’s oder Macy’s verloren in den letzten Jahren stark an Marktanteilen, blieben aber aufgrund ihrer Marktkapitalisierung im Index vertreten – und belasteten so die Rendite des gesamten Portfolios.
Alternativen: Wie Anleger das Risiko reduzieren können
Für Anleger, die das Klumpenrisiko von „Zombie-Aktien“ vermeiden möchten, gibt es zwei Hauptstrategien: gleichgewichtete Indizes und fundamental gewichtete ETFs.
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Gleichgewichtete Indizes (z. B. S&P 500 Equal Weight) Hier erhalten alle Unternehmen unabhängig von ihrer Marktkapitalisierung das gleiche Gewicht. Das reduziert die Übergewichtung großer, aber unprofitabler Konzerne. Laut S&P Global (2023) erzielte der S&P 500 Equal Weight in den letzten 10 Jahren eine annualisierte Rendite von 9,8 %, während der klassische S&P 500 auf 12,5 % kam. Der Unterschied liegt in der höheren Gewichtung kleinerer, aber profitablerer Unternehmen.
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Fundamental gewichtete ETFs (z. B. FTSE RAFI Index Series) Diese Indizes gewichten Unternehmen nach Kennzahlen wie Umsatz, Buchwert oder Dividenden. Das führt zu einer stärkeren Gewichtung profitabler Unternehmen und einer geringeren Belastung durch „Zombie-Aktien“. Ein Beispiel ist der FTSE RAFI US 1000, der in den letzten 10 Jahren eine Rendite von 11,2 % erzielte – deutlich über dem klassischen S&P 500.
Was Anleger vor dem Kauf prüfen sollten
Bevor ein ETF gekauft wird, sollten Anleger die Indexzusammensetzung und die Gewichtungsmethode analysieren. Die BaFin (2022) empfiehlt, folgende Punkte zu beachten: - Übergewichtung schwacher Sektoren: Enthält der Index viele Unternehmen mit niedriger Profitabilität? - Klumpenrisiken: Dominieren wenige Großunternehmen das Portfolio? - Gewichtungsmethode: Wird nach Marktkapitalisierung, Umsatz oder anderen Fundamentaldaten gewichtet?
Ein einfacher Weg, dies zu überprüfen, ist die Analyse der Top-10-Positionen des ETFs. Enthalten diese viele Unternehmen mit schwacher Ertragskraft, könnte der ETF langfristig unterdurchschnittliche Renditen liefern. Die Verbraucherzentrale (2023) bietet auf ihrer Website eine Checkliste zur Überprüfung von ETFs an, die Anlegern hilft, solche Risiken zu identifizieren.
Fazit: Diversifikation statt automatischer Gewichtung
ETFs sind ein mächtiges Instrument für langfristige Vermögensbildung – doch ihre Struktur kann ungewollte Risiken bergen. Kapitalisierungsgewichtete Indizes neigen dazu, „Zombie-Aktien“ zu übergewichten, was die Diversifikation einschränkt und langfristig die Rendite belasten kann. Anleger, die diese Risiken minimieren möchten, sollten auf gleichgewichtete Indizes oder fundamental gewichtete ETFs setzen. Eine sorgfältige Prüfung der Indexzusammensetzung ist dabei unerlässlich.
Die Frage ist nicht, ob ETFs sinnvoll sind, sondern welche Art von ETF zu den eigenen Anlagezielen passt. Wer auf maximale Sicherheit setzt, sollte die Gewichtung im Portfolio aktiv steuern – statt sich auf die automatische Logik kapitalisierungsgewichteter Indizes zu verlassen.
FAQ
Wie erkenne ich, ob mein ETF „Zombie-Aktien“ enthält? Prüfen Sie die Top-10-Positionen des ETFs und deren Profitabilitätskennzahlen (z. B. ROE, EBIT-Margen). Enthalten diese viele Unternehmen mit schwacher Ertragskraft, könnte der ETF „Zombie-Aktien“ enthalten.
Sind gleichgewichtete Indizes immer die bessere Wahl? Nicht zwangsläufig. Gleichgewichtete Indizes können höhere Transaktionskosten verursachen und sind anfälliger für Volatilität in kleinen Unternehmen. Sie eignen sich besonders für Anleger, die Klumpenrisiken vermeiden möchten.
Kann ich „Zombie-Aktien“ durch aktive Fonds vermeiden? Aktive Fonds können „Zombie-Aktien“ gezielt ausschließen, bergen aber andere Risiken wie höhere Kosten und Managerrisiko. Eine Alternative sind thematische ETFs, die auf fundamentale Kriterien setzen.
Quellen
- BaFin (2022): Hinweispapier zu ETFs – Risiken der Replikation durch Kapitalisierung. [bafin.de]
- Deutsche Bundesbank (2024): Monatsbericht März 2024 – Vergleich DAX vs. gleichgewichteter Index. [bundesbank.de]
- ESMA (2023): ESMA Risk Dashboard Q3 2023 – Konzentrationsrisiken in Indizes. esma.europa.eu
- S&P Global (2023): S&P 500 Low Volatility Index vs. S&P 500 – Renditevergleich. spglobal.com
- Verbraucherzentrale (2023): Broschüre „ETFs verstehen“ – Gewichtung und Risiken. [verbraucherzentrale.de]
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