Wie Indexfonds mit Stewardship Codes Unternehmen lenken – ohne Aktien zu halten
Indexfonds üben Einfluss auf Konzerne aus, ohne sie zu besitzen. Stewardship Codes machen es möglich – doch wie funktioniert das genau?

Das Wichtigste - Indexfonds üben über Stewardship Codes Einfluss auf Unternehmen aus, ohne Aktien zu besitzen – durch Stimmrechte, Dialog und ESG-Kriterien. - Deutsche und europäische Regulierung (z. B. EU-Aktionärsrechterichtlinie, BaFin-Leitlinien) setzt Rahmenbedingungen für diese Praxis. - Konkrete Beispiele zeigen, wie Fondsanbieter wie DWS oder Union Investment diese Mechanismen umsetzen – ohne direkte Aktienbeteiligung.
Ein großer Vermögensverwalter wie die DWS verwaltet Milliarden in Indexfonds, die breit gestreute Indizes wie den MSCI World nachbilden. Doch während Anleger denken, ihr Geld fließe nur in Unternehmen, die sie direkt besitzen, übt der Fondsanbieter selbst Einfluss aus – nicht als Aktionär, sondern als Stimmrechtsvertreter. Wie ist das möglich? Die Antwort liegt in den Stewardship Codes, einem Regelwerk, das seit Jahren die Corporate Governance in Deutschland und Europa prägt. Doch was bedeutet das für Anleger, die ihr Geld nachhaltig anlegen möchten?
Was sind Stewardship Codes – und warum gibt es sie?
Stewardship Codes sind freiwillige Verhaltenskodizes, die institutionelle Anleger dazu verpflichten, ihre Einflussmöglichkeiten auf Unternehmen verantwortungsvoll zu nutzen. Der Gedanke dahinter: Selbst wer keine Aktien besitzt, kann über Stimmrechte, Dialog mit der Unternehmensführung oder die Anwendung von ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) Einfluss nehmen. In Deutschland ist der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) eine zentrale Säule, der 2023 zuletzt aktualisiert wurde. Parallel dazu setzt die EU mit der Aktionärsrechterichtlinie (SRD II) seit 2017 verbindliche Vorgaben für die Ausübung von Aktionärsrechten – auch für Fondsgesellschaften, die als Stimmrechtsvertreter agieren.
Der Hintergrund: Viele Anleger wissen nicht, dass ihre Indexfonds über Stimmrechtsvollmachten verfügen. Diese entstehen, weil Fondsgesellschaften im Namen ihrer Kunden an Hauptversammlungen teilnehmen und dort für die Unternehmen stimmen, die im Index enthalten sind. Doch statt einfach nur abzustimmen, sollen sie dies nach klaren Regeln tun – etwa indem sie Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen oder mit Unternehmen in Dialog treten, die gegen ESG-Standards verstoßen. Die BaFin betont in ihren Leitlinien zur Ausübung von Aktionärsrechten (2023): „Institutionelle Anleger sind gehalten, ihre Einflussmöglichkeiten aktiv und transparent auszuüben.“ Das gilt auch für Indexfonds, die selbst keine Aktien halten, aber über Stimmrechtsvertretung Einfluss nehmen.
Wie funktioniert Einflussnahme ohne Aktienbesitz?
Der Mechanismus ist simpel, aber wirkungsvoll: Indexfonds bilden Indizes nach, die bestimmte Unternehmen enthalten. Die Fondsgesellschaften erhalten dabei oft Stimmrechtsvollmachten von ihren Anlegern – selbst wenn diese gar nicht wissen, dass sie diese erteilt haben. Mit diesen Vollmachten können sie auf Hauptversammlungen für oder gegen Beschlüsse stimmen. Doch Stewardship Codes gehen weiter: Sie fordern, dass diese Stimmen nicht blind abgegeben werden, sondern nach klaren Kriterien.
Ein Beispiel: Die DWS, einer der größten Asset Manager Europas, veröffentlicht jährlich einen Stewardship Report, in dem sie darlegt, wie sie ihre Stimmrechte in über 5.000 Unternehmen weltweit ausgeübt hat. Dazu gehören nicht nur klassische Abstimmungen, sondern auch der Dialog mit Unternehmen, die etwa bei Klimazielen oder Diversität hinterherhinken. So stimmte die DWS 2023 in mehreren Fällen gegen die Entlastung von Vorständen, weil diese keine ausreichenden Nachhaltigkeitsstrategien vorlegten. Ein konkretes Beispiel ist der Energiekonzern RWE: Die DWS kritisierte öffentlich die langsame Umsetzung der Kohleausstiegspläne und stimmte gegen die Wiederwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden – ohne selbst Aktionär zu sein.
Doch wie kann das rechtlich funktionieren? Die Antwort liegt im Depotstimmrecht: Viele Banken und Fondsgesellschaften erhalten von ihren Kunden eine Generalvollmacht, um deren Stimmrechte auszuüben. Diese Vollmacht ist nicht an den Besitz von Aktien geknüpft, sondern an die Verwaltung des Depots. Die BaFin bestätigt in ihren Leitlinien (2023): „Die Ausübung von Stimmrechten im Namen von Anlegern ist zulässig, sofern die Vollmacht dies vorsieht.“ Das bedeutet: Selbst wer nur einen Indexfonds besitzt, kann über Stewardship Codes Einfluss nehmen – ohne selbst Aktionär zu sein.
Welche Regeln gelten in Deutschland und Europa?
Die rechtliche Grundlage für Stewardship Codes in Deutschland bildet der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK), der 2023 zuletzt überarbeitet wurde. Der Kodex empfiehlt institutionellen Anlegern, ihre Einflussmöglichkeiten aktiv zu nutzen und regelmäßig über ihre Aktivitäten zu berichten. Doch der Kodex ist freiwillig – anders als die EU-Aktionärsrechterichtlinie (SRD II), die seit 2017 verbindliche Vorgaben macht. Die Richtlinie verpflichtet institutionelle Anleger, ihre Stimmrechtsausübung transparent zu gestalten und ESG-Kriterien zu berücksichtigen.
Ein zentraler Punkt der SRD II ist die Transparenzpflicht: Fondsgesellschaften müssen offenlegen, wie sie ihre Stimmrechte ausüben und welche Kriterien sie dabei anwenden. Die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA hat dazu 2022 einen Report on the use of stewardship codes veröffentlicht, der zeigt, wie unterschiedlich die Umsetzung in den Mitgliedstaaten ist. Während einige Länder wie Großbritannien oder die Niederlande bereits seit Jahren strenge Stewardship-Regeln haben, hinkt Deutschland noch hinterher. Die Verbraucherzentrale Deutschland (2023) kritisiert in ihrem Ratgeber Nachhaltige Geldanlage: „Viele Fondsanbieter in Deutschland erfüllen die Anforderungen der SRD II nur formal – ohne wirklich nachhaltige Einflussnahme.“
Doch es gibt Fortschritte: Die BaFin hat 2023 ihre Leitlinien zur Ausübung von Aktionärsrechten verschärft und fordert nun, dass institutionelle Anleger nicht nur abstimmen, sondern auch aktiv mit Unternehmen in Dialog treten, die gegen ESG-Standards verstoßen. Ein Beispiel ist die Union Investment, die 2023 in ihrem Nachhaltigkeitsbericht darlegte, wie sie mit Unternehmen wie Siemens oder BASF Gespräche über Klimastrategien führte – ohne selbst Aktionär zu sein.
Konkrete Beispiele: Wie Fondsanbieter Stewardship umsetzen
Ein Blick auf die Praxis zeigt, wie unterschiedlich Stewardship Codes umgesetzt werden. Die DWS, einer der größten Asset Manager Europas, veröffentlicht jährlich einen Stewardship Report, in dem sie detailliert auflistet, wie sie ihre Stimmrechte in über 5.000 Unternehmen weltweit ausgeübt hat. Dazu gehören nicht nur klassische Abstimmungen, sondern auch der Dialog mit Unternehmen, die etwa bei Klimazielen oder Diversität hinterherhinken. So stimmte die DWS 2023 in mehreren Fällen gegen die Entlastung von Vorständen, weil diese keine ausreichenden Nachhaltigkeitsstrategien vorlegten.
Ein weiteres Beispiel ist die Amundi, die in ihrem ESG Engagement Report (2023) beschreibt, wie sie mit Unternehmen wie TotalEnergies über die Reduzierung von CO₂-Emissionen verhandelt – ohne selbst Aktionär zu sein. Die Fondsgesellschaft nutzt dabei ihre Stimmrechtsvollmachten, um Druck auf die Unternehmensführung auszuüben. Ein konkretes Ergebnis: TotalEnergies hat 2023 angekündigt, seine Investitionen in erneuerbare Energien bis 2030 zu verdoppeln.
Doch nicht alle Fondsanbieter gehen so weit. Die Verbraucherzentrale Deutschland (2023) kritisiert in ihrem Ratgeber Nachhaltige Geldanlage, dass viele Anbieter Stewardship Codes nur formal erfüllen: „Oft beschränken sie sich auf die Abstimmung bei Hauptversammlungen, ohne wirklich nachhaltige Dialoge zu führen.“ Ein Beispiel ist die Commerzbank, die in ihrem Nachhaltigkeitsbericht zwar die Anwendung von Stewardship Codes erwähnt, aber keine konkreten Beispiele für Dialoge oder Einflussnahme nennt.
Welche Grenzen hat die Einflussnahme durch Indexfonds?
Trotz der Fortschritte gibt es klare Grenzen für die Einflussnahme durch Indexfonds. Ein zentrales Problem ist die Passivität der Indizes: Da Indexfonds Indizes wie den MSCI World oder den FTSE All-World nachbilden, können sie Unternehmen nicht einfach ausschließen – selbst wenn diese gegen ESG-Kriterien verstoßen. Die BaFin betont in ihren Leitlinien (2023): „Die Nachbildung eines Index ist kein Freibrief für passive Einflussnahme.“ Doch in der Praxis bleibt vielen Fondsgesellschaften wenig Spielraum, da sie an die Zusammensetzung des Index gebunden sind.
Ein weiteres Problem ist die mangelnde Transparenz: Viele Anleger wissen nicht, dass ihre Fondsgesellschaft Stimmrechte ausübt – geschweige denn, wie diese ausgeübt werden. Die ESMA (2022) stellt in ihrem Report on the use of stewardship codes fest: „Nur etwa 30 % der institutionellen Anleger in der EU veröffentlichen detaillierte Berichte über ihre Stimmrechtsausübung.“ Das macht es für Anleger schwer, die tatsächliche Einflussnahme zu bewerten.
Doch das größte Hindernis ist die fehlende direkte Kontrolle: Da Indexfonds keine Aktien besitzen, können sie Unternehmen nicht einfach verkaufen, wenn diese gegen ESG-Kriterien verstoßen. Stattdessen müssen sie auf Dialog und Stimmrechtsausübung setzen – ein langsamer und oft ineffektiver Weg. Die Verbraucherzentrale Deutschland (2023) warnt: „Stewardship Codes sind ein wichtiger Schritt, aber sie ersetzen keine aktive Einflussnahme durch Aktionäre.“
Quellen
Für Anleger, die ihr Geld nachhaltig anlegen möchten, bieten Stewardship Codes eine Möglichkeit, Einfluss auf Unternehmen zu nehmen – auch ohne direkte Aktienbeteiligung. Doch die Umsetzung ist oft intransparent, und viele Fondsanbieter erfüllen die Anforderungen nur formal. Die Verbraucherzentrale Deutschland (2023) rät: „Prüfen Sie, ob Ihr Fondsanbieter wirklich nachhaltig handelt – nicht nur auf dem Papier.“
Ein erster Schritt ist die Prüfung der Stimmrechtsberichte: Viele Fondsgesellschaften veröffentlichen jährlich, wie sie ihre Stimmrechte ausgeübt haben. Die DWS, Union Investment und Amundi bieten solche Berichte auf ihren Websites an. Ein konkretes Beispiel ist der Stewardship Report der DWS, der detailliert auflistet, in welchen Unternehmen sie gegen die Entlastung von Vorständen stimmte – etwa bei RWE oder TotalEnergies.
Doch Anleger sollten auch die Grenzen der Einflussnahme im Blick behalten. Da Indexfonds an die Zusammensetzung des Index gebunden sind, können sie Unternehmen nicht einfach ausschließen. Stattdessen müssen sie auf Dialog und Stimmrechtsausübung setzen – ein langsamer Prozess, der nicht immer Wirkung zeigt. Die BaFin (2023) betont: „Die passive Einflussnahme durch Indexfonds ist ein wichtiger Schritt, aber sie ersetzt keine aktive Nachhaltigkeitsstrategie.“
- Referencia institucional (\bBaFin\b): https://www.bafin.de/
Fazit: Stewardship Codes als Baustein – aber kein Allheilmittel
Stewardship Codes bieten eine Möglichkeit, Einfluss auf Unternehmen zu nehmen – auch ohne direkte Aktienbeteiligung. Doch die Umsetzung ist oft intransparent, und viele Fondsanbieter erfüllen die Anforderungen nur formal. Für Anleger, die ihr Geld nachhaltig anlegen möchten, bedeutet das:
Erstellt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz unter redaktioneller Aufsicht. Quellen automatisiert geprüft. Wie wir arbeiten
Fond #indexfonds #stewardship-codes #nachhaltige-geldanlage #corporate-governance #esg