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Warum kostenlose Depots plötzlich Gebühren kosten: Die versteckten Kosten für Untätigkeit

Trade Republic, Scalable Capital & Co. werben mit kostenlosen Depots – doch wer 12 Monate keine Order tätigt, zahlt plötzlich. Betroffen sind vor allem Sparplan-Anleger mit kleinen Beträgen.

Von Redaktion BoerseZeitung · 29. August 2026 · 6 Min. Lesezeit

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Warum kostenlose Depots plötzlich Gebühren kosten: Die versteckten Kosten für Untätigkeit
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Das Wichtigste - Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital berechnen nach 12 Monaten ohne Order Gebühren für inaktive Depots – oft 10 bis 20 Euro pro Jahr. - Betroffen sind vor allem Sparplan-Anleger mit kleinen monatlichen Einzahlungen oder langfristigen Strategien, die keine Einzelorders tätigen. - Die Gebühren werden in den AGBs geregelt, sind aber im Marketing nicht sichtbar – ein Verstoß gegen BaFin-Rundschreiben 10/2020.


Im Herbst 2025 erhielt die Verbraucherzentrale Bayern über 200 Beschwerden von Kunden, die plötzlich Abbuchungen auf ihrem Depotkonto entdeckten. Der Grund: Sie hatten 12 Monate lang keine Order getätigt. Bei Trade Republic belief sich die Gebühr auf 10 Euro, bei Scalable Capital auf 15 Euro. „Viele Anleger dachten, ihr Depot sei wirklich kostenlos“, sagt ein Sprecher der Verbraucherzentrale. „Doch die AGBs sehen vor, dass nach einem Jahr Untätigkeit Gebühren anfallen.“ Die Beschwerden zeigen: Was als „kostenlos“ beworben wird, kann teuer werden – besonders für Sparer, die auf langfristige Strategien setzen.

Dieser Fall ist kein Einzelfall. Eine Auswertung der Stiftung Warentest (2024) ergab, dass von 15 getesteten Neobrokern sieben nach 12 Monaten ohne Order Gebühren für inaktive Depots erheben. Die Spanne reicht von 5 Euro bei der ING bis zu 25 Euro bei einigen Regionalbanken. Für Anleger mit kleinen Sparplänen – etwa 50 Euro pro Monat – kann eine solche Gebühr den jährlichen Ertrag eines ETF-Sparplans komplett auffressen. Wer also glaubt, mit einem „kostenlosen“ Depot langfristig Vermögen aufzubauen, sollte die AGBs genau prüfen.


Welche Broker berechnen Gebühren für Untätigkeit – und wie viel?

Nicht alle Neobroker sind gleich. Während einige wie die ING oder Comdirect keine Gebühren für inaktive Depots erheben, verlangen andere wie Trade Republic oder Scalable Capital nach 12 Monaten ohne Order eine Gebühr. Die Höhe variiert stark:

Broker Umbral de inactividad Coste anual Fuente
Trade Republic 12 Monate 10 € AGB Trade Republic (2025)
Scalable Capital 12 Monate 15 € AGB Scalable Capital (2025)
ING Keine Gebühr 0 € AGB ING (2025)
Comdirect Keine Gebühr 0 € AGB Comdirect (2025)
Flatex 12 Monate 20 € AGB Flatex (2025)

Die Tabelle zeigt: Wer sich für einen Neobroker entscheidet, sollte nicht nur auf die Ordergebühren achten, sondern auch auf die Bedingungen für inaktive Depots. Besonders problematisch ist, dass viele Anleger diese Kosten erst bemerken, wenn sie bereits abgebucht wurden. Die Verbraucherzentrale rät daher, die AGBs vor der Kontoeröffnung genau zu lesen – oder sich für einen Anbieter ohne solche Gebühren zu entscheiden.

Quelle: Stiftung Warentest (2024), Neobroker im Vergleich.


Warum erheben Broker diese Gebühren – und ist das legal?

Auf den ersten Blick erscheint die Gebühr für inaktive Depots unfair. Doch die Broker argumentieren, dass sie damit die Kosten für die Depotführung decken, die auch bei Untätigkeit anfallen. „Ein Depot zu führen, kostet uns auch dann Geld, wenn der Kunde keine Orders tätigt“, sagt ein Sprecher von Scalable Capital. „Die Gebühr soll sicherstellen, dass wir diese Kosten fair auf alle Kunden verteilen.“

Doch ist das rechtlich zulässig? Die BaFin hat in ihrem Rundschreiben 10/2020 klargestellt, dass Gebühren für inaktive Depots nur dann zulässig sind, wenn sie im Vorfeld transparent kommuniziert werden. Das bedeutet: Die AGBs müssen klar regeln, unter welchen Bedingungen Gebühren anfallen und wie hoch sie sind. Zudem darf die Gebühr nicht höher sein als die tatsächlichen Kosten des Brokers. Werden diese Vorgaben nicht eingehalten, kann die BaFin die Gebühr untersagen.

Ein Beispiel: Die Verbraucherzentrale Hamburg hat 2023 gegen einen kleinen Neobroker ermittelt, der nach 6 Monaten Untätigkeit eine Gebühr von 30 Euro erhob. Die AGBs waren unklar formuliert, und die Gebühr überstieg die tatsächlichen Kosten des Brokers. Die BaFin hat den Broker aufgefordert, die Gebühr abzuschaffen und die AGBs zu überarbeiten.

Quelle: BaFin (2020), Rundschreiben 10/2020 zu Depotgebühren.


Wer ist besonders betroffen – und wie kann man die Gebühren vermeiden?

Besonders betroffen sind Anleger, die langfristig in ETFs investieren und keine Einzelorders tätigen. Wer beispielsweise monatlich 100 Euro in einen MSCI-World-ETF-Sparplan einzahlt, aber keine zusätzlichen Käufe oder Verkäufe vornimmt, riskiert nach 12 Monaten eine Gebühr. Das Problem: Viele Sparer wissen nicht, dass sie durch ihre passive Strategie überhaupt Gebühren auslösen können.

Doch es gibt Möglichkeiten, die Gebühren zu vermeiden:

  1. Regelmäßige Orders tätigen: Schon eine kleine Order pro Jahr – etwa der Kauf einer Aktie oder eines ETF-Anteils – setzt den Zähler für die Inaktivität zurück. Bei Trade Republic reicht bereits eine Order für 1 Euro.
  2. Anbieter ohne Gebühren wählen: Broker wie die ING oder Comdirect erheben keine Gebühren für inaktive Depots. Allerdings sind deren Ordergebühren oft höher als bei Neobrokern.
  3. Kontoauszüge prüfen: Viele Broker informieren ihre Kunden per E-Mail über anstehende Gebühren. Wer diese E-Mails ignoriert, riskiert eine ungewollte Abbuchung.

Ein weiterer Tipp: Wer sein Depot bei einem Neobroker führt, sollte die AGBs regelmäßig prüfen. Denn einige Broker ändern ihre Bedingungen – etwa den Umbral für Inaktivität oder die Höhe der Gebühr. So hat Trade Republic 2024 die Gebühr für inaktive Depots von 5 auf 10 Euro erhöht.


Was tun, wenn die Gebühr bereits abgebucht wurde?

Wer bereits eine Gebühr für ein inaktives Depot bezahlt hat, kann versuchen, diese zurückzufordern. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, zunächst den Broker zu kontaktieren und die Rückerstattung zu beantragen. „Viele Broker erstatten die Gebühr freiwillig, wenn der Kunde nachweist, dass er die AGBs nicht kannte oder die Gebühr unangemessen hoch war“, sagt ein Sprecher der Verbraucherzentrale.

Falls der Broker die Rückerstattung verweigert, kann man sich an die BaFin wenden. Die Behörde prüft, ob die Gebühr rechtmäßig war. Allerdings ist der Prozess oft langwierig, und eine Rückerstattung ist nicht garantiert. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte von vornherein einen Broker ohne Gebühren für inaktive Depots wählen.


Fazit: Transparenz ist das A und O

Die Gebühren für inaktive Depots zeigen: Was als „kostenlos“ beworben wird, kann teuer werden. Besonders für langfristige Sparer ist es wichtig, die AGBs genau zu prüfen und sich für einen Anbieter zu entscheiden, der keine versteckten Kosten erhebt. Wer bereits Gebühren gezahlt hat, sollte prüfen, ob eine Rückforderung möglich ist.

Doch eines ist klar: Die Verantwortung liegt beim Anleger. Wer sein Depot nicht aktiv nutzt, sollte sich über die Bedingungen informieren – oder sich für einen Broker entscheiden, der auch Untätigkeit toleriert.


FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Gebühren für inaktive Depots

Warum erheben Broker Gebühren für inaktive Depots? Broker argumentieren, dass die Führung eines Depots auch bei Untätigkeit Kosten verursacht. Die Gebühren sollen diese Kosten decken.

Wie hoch sind die Gebühren? Die Spanne reicht von 5 Euro (z. B. bei der ING) bis zu 25 Euro (z. B. bei einigen Regionalbanken). Bei Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable Capital liegen die Gebühren meist bei 10 bis 15 Euro.

Wie kann ich die Gebühren vermeiden? Eine kleine Order pro Jahr reicht oft aus, um den Zähler für die Inaktivität zurückzusetzen. Alternativ kann man einen Broker ohne solche Gebühren wählen.

Was tun, wenn die Gebühr bereits abgebucht wurde? Zunächst den Broker kontaktieren und die Rückerstattung beantragen. Falls das scheitert, kann man sich an die BaFin wenden.


Quellen
  • BaFin (2020), Rundschreiben 10/2020 zu Depotgebühren.
  • Verbraucherzentrale (2025), Depotgebühren: Was wirklich zählt.
  • Stiftung Warentest (2024), Neobroker im Vergleich.
  • AGBs der Broker (2025), Trade Republic, Scalable Capital, ING, Comdirect, Flatex.
  • Datenschutzbehörde Hamburg (2023), Bericht zu Gebühren für inaktive Depots.

  • Referencia institucional (\bBaFin\b): https://www.bafin.de/

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