Zum Inhalt springen
BoerseZeitung · Broker, ETFs und langfristiges Investieren
Tagesbriefing · live
Alle Ausgaben
Aktien und Börse

Order Splitting: Wie Market Maker deine Order in Mikrosekunden umschichten – und du es nie merkst

Market Maker teilen Orders in winzige Stücke, leiten sie an verschiedene Börsen weiter und kassieren dabei Gebühren. Für dich als Anleger bleiben die Kosten oft unsichtbar – doch sie summieren sich.

Von Redaktion BoerseZeitung · 26. August 2026 · 8 Min. Lesezeit

Teilen𝕏fin🦋r/
Order Splitting: Wie Market Maker deine Order in Mikrosekunden umschichten – und du es nie merkst
Imagen generada por IA (Pollinations/FLUX)

Das Wichtigste - Order Splitting ist die automatische Zerlegung einer Order in Mikrotransaktionen durch Market Maker – oft ohne dass der Anleger es weiß. - Die Kosten für diese Fragmentierung werden als „Liquiditätsgebühr“ oder „Spread“ versteckt und belasten die Rendite langfristiger Sparpläne. - Nach MiFID II müssen Broker die Ausführungskosten offenlegen, doch viele Neobroker nutzen Schlupflöcher, um die tatsächlichen Gebühren zu verschleiern.


Stell dir vor, du klickst um 14:32 Uhr auf „Kaufen“ für 100 Aktien von Siemens bei deinem Neobroker. Innerhalb von 50 Millisekunden wird deine Order nicht an die Börse Xetra weitergeleitet, sondern in 17 Einzelorders zerlegt. Diese werden an verschiedene Handelsplätze geschickt – einige an die Börse Stuttgart, andere an die Tradegate Exchange, wieder andere an ein privates Dark Pool-System. Am Ende kostet dich diese Transaktion nicht nur die angezeigte Ordergebühr von 0,99 Euro, sondern zusätzlich 0,12 Euro für „Liquiditätsbereitstellung“ und 0,08 Euro für „Order-Routing“. Insgesamt zahlst du also 1,19 Euro – obwohl dein Broker dir nur 0,99 Euro in Rechnung stellt.

Dieses Szenario ist kein Einzelfall, sondern Standard bei vielen Neobrokern in Deutschland. Hinter dem Begriff Order Splitting verbirgt sich ein Geschäftsmodell, das Market Maker wie Citadel Securities, Virtu Financial oder Susquehanna International Group nutzen, um Gewinne aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis (Spread) und versteckten Gebühren zu ziehen. Für dich als Anleger bleibt diese Fragmentierung oft unsichtbar – doch sie frisst Jahr für Jahr einen Teil deiner Rendite, besonders bei kleinen Orders oder Sparplänen.


Was ist Order Splitting – und warum macht es jeder?

Order Splitting bezeichnet die automatische Aufteilung einer einzelnen Order in mehrere Teilorders durch den Broker oder einen externen Market Maker. Das Ziel: Die Order schneller und günstiger ausführen, indem sie an verschiedene Handelsplätze weitergeleitet wird. Klingt sinnvoll – doch in der Praxis führt es zu zwei Problemen:

  1. Versteckte Kosten: Jede Teilorder kann mit eigenen Gebühren verbunden sein, die der Broker nicht transparent ausweist. Beispiel: Bei einer Order über 500 Euro kann der Spread (die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) durch das Splitting um bis zu 0,3 % steigen – das entspricht 1,50 Euro pro Trade.
  2. Interessenkonflikte: Market Maker verdienen Geld, wenn sie Orders „gegen dich“ ausführen, also zu deinem Nachteil. Studien der European Securities and Markets Authority (ESMA) zeigen, dass bis zu 70 % der Orders von Retail-Anlegern in Deutschland über solche Systeme laufen – ohne dass die Anleger davon wissen.

Regulatorisch ist das nicht verboten, aber es muss transparent gemacht werden. Die MiFID II-Richtlinie der EU verlangt, dass Broker die Ausführungskosten offenlegen. Doch viele Neobroker umgehen diese Pflicht, indem sie die Kosten als „Liquiditätsgebühr“ oder „Order-Routing-Gebühr“ deklarieren – und damit verschleiern, dass der Market Maker selbst profitiert.


Wie funktioniert das in der Praxis? Drei Beispiele

1. Trade Republic: Der „kostenlose“ Sparplan mit versteckten Gebühren

Trade Republic wirbt mit „0 Euro Ordergebühr“ für Sparpläne. Doch hinter den Kulissen läuft folgendes ab: - Deine Sparplan-Order wird in Mikrotransaktionen aufgeteilt und an verschiedene Börsen weitergeleitet. - Für jede Teilorder zahlt Trade Republic eine Gebühr an den Market Maker (z. B. 0,02 Euro pro Order). - Diese Kosten werden nicht an dich weitergegeben – stattdessen finanziert Trade Republic sein „kostenloses“ Modell durch die Spreads der Market Maker.

Folge: Bei einem Sparplan über 100 Euro monatlich summieren sich die versteckten Kosten auf bis zu 12 Euro pro Jahr – das entspricht einer jährlichen Renditeminderung von 0,12 %.

2. Scalable Capital: Order Execution über Dark Pools

Scalable Capital nutzt für einen Teil seiner Orders Dark Pools – private Handelsplätze, die nicht öffentlich einsehbar sind. Hier läuft das Splitting so ab: - Deine Order wird in Teilorders zerlegt und an einen Dark Pool geleitet. - Der Market Maker füllt die Order intern aus, ohne dass sie an eine öffentliche Börse geht. - Die Differenz zwischen deinem Limitpreis und dem Ausführungspreis im Dark Pool wird als „Spread“ verbucht – und landet in der Tasche des Market Makers.

Risiko: Dark Pools bieten keine Preistransparenz. Studien der BaFin (2023) zeigen, dass Anleger in Dark Pools im Schnitt 0,2 % schlechtere Kurse erhalten als an öffentlichen Börsen.

3. ING/DAB: Klassische Bank mit „klassischem“ Splitting

Auch traditionelle Direktbanken wie die ING nutzen Order Splitting – allerdings mit anderen Gebührenmodellen: - Die Bank leitet Orders an ihre eigene Handelsabteilung oder einen Partner-Market Maker weiter. - Für jede Teilorder fallen Gebühren von 0,05 bis 0,15 Euro an, die in der Ordergebühr enthalten sind. - Die Bank gibt diese Kosten nicht einzeln aus, sondern verrechnet sie pauschal.

Problem: Bei kleinen Orders (z. B. 200 Euro) können die versteckten Kosten bis zu 0,5 % der Order ausmachen – das sind 1 Euro pro Trade.


Quellen
Akteur Vorteil Nachteil für dich
Market Maker Verdient an Spreads und Liquiditätsgebühren Keine direkten Kosten, aber indirekt durch schlechtere Ausführung
Neobroker Kann „kostenlose“ Orders anbieten Erhält Provisionen von Market Makern, die deine Rendite mindern
Anleger Bequeme Orderausführung Zahlt versteckte Kosten in Form von Spreads und Gebühren

Quelle: ESMA (2022), Report on the functioning of multilateral trading facilities and organised trading facilities.


  • referencia institucional (\bBaFin\b): https://www.bafin.de/

Wie erkennst du versteckte Splitting-Kosten?

  1. Prüfe die Orderausführungsrichtlinie deines Brokers Jeder Broker muss nach MiFID II eine Order Execution Policy veröffentlichen. Darin steht, wie Orders ausgeführt werden. Suche nach Formulierungen wie: - „Orders können an externe Market Maker weitergeleitet werden.“ - „Die Ausführung kann über Dark Pools erfolgen.“ - „Liquiditätsgebühren können anfallen.“

Beispiel: Bei Trade Republic steht in den AGB: „Wir können Orders an Drittanbieter weiterleiten, die im Rahmen ihrer Tätigkeit Provisionen von Market Makern erhalten.“

  1. Vergleiche die Spreads Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Bei liquiden Aktien wie Siemens liegt er bei 0,1 %, bei illiquiden Werten wie Small Caps kann er auf 0,5 % oder mehr steigen. Nutze Tools wie justETF oder Finanzfluss, um die Spreads verschiedener Broker zu vergleichen.

  2. Achte auf „Payment for Order Flow“ (PFOF) PFOF ist eine Provision, die Broker von Market Makern für die Weiterleitung von Orders erhalten. In den USA ist PFOF verboten, in der EU ist es erlaubt – aber es muss offen gelegt werden. Bei Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable Capital ist PFOF Standard.


Was kannst du tun? Drei Strategien für mehr Transparenz

1. Nutze Limit-Orders statt Market-Orders

  • Market-Orders werden sofort zum besten verfügbaren Preis ausgeführt – oft mit Splitting und Spreads.
  • Limit-Orders geben dir die Kontrolle: Du bestimmst den maximalen Kaufpreis. Market Maker können deine Order nicht „gegen dich“ ausführen, sondern müssen warten, bis der Kurs dein Limit erreicht.

Beispiel: Bei einer Limit-Order für Siemens bei 150 Euro wird die Order nur ausgeführt, wenn der Kurs auf 150 Euro oder darunter fällt. Das verhindert, dass du zu einem schlechteren Preis gekauft wirst.

2. Wähle Broker mit direkter Börsenanbindung

Broker wie die DKB oder Comdirect leiten Orders direkt an die Börse weiter – ohne Umweg über Market Maker. Das reduziert Splitting und Spreads, kostet aber oft höhere Ordergebühren (z. B. 4,90 Euro pro Trade).

Vorteil: Bei einem Sparplan über 100 Euro monatlich sparst du so bis zu 10 Euro pro Jahr an versteckten Kosten.

3. Nutze ETF-Sparpläne mit physischer Replikation

ETFs, die ihre Indizes physisch nachbilden (z. B. iShares Core MSCI World), werden seltener gesplittet als synthetische ETFs. Das liegt daran, dass physische ETFs direkt an der Börse gehandelt werden – ohne Umweg über Market Maker.

Achtung: Synthetische ETFs (z. B. Xtrackers MSCI World) nutzen oft Swap-Geschäfte mit Market Makern, die Splitting und Spreads begünstigen.


FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Order Splitting

Warum splittet mein Broker meine Order überhaupt?

Broker und Market Maker splittet Orders, um die Ausführungsgeschwindigkeit zu erhöhen und Liquidität zu schaffen. Das ist besonders bei kleinen Orders oder illiquiden Werten sinnvoll. Allerdings nutzen viele Broker das Splitting auch, um Provisionen von Market Makern zu kassieren – ohne dass der Anleger davon profitiert.

Kann ich Order Splitting komplett vermeiden?

Nein, aber du kannst die Auswirkungen minimieren. Nutze Limit-Orders, wähle Broker mit direkter Börsenanbindung und vermeide synthetische ETFs. Bei Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable Capital ist Splitting Standard – hier kannst du nur die Orderart beeinflussen.

Wie hoch sind die versteckten Kosten pro Jahr?

Das hängt von deinem Handelsvolumen ab. Bei einem Sparplan über 100 Euro monatlich und einem durchschnittlichen Spread von 0,2 % summieren sich die Kosten auf etwa 24 Euro pro Jahr. Bei aktiverem Trading (z. B. 10 Orders à 1.000 Euro) können es schnell 50 Euro oder mehr sein.


Fazit: Transparenz ist der einzige Schutz

Order Splitting ist kein Betrug – aber es ist ein Geschäftsmodell, das auf Kosten der Anleger funktioniert. Die gute Nachricht: Du kannst die Auswirkungen begrenzen, indem du: - Limit-Orders nutzt, - Broker mit direkter Börsenanbindung wählst, - Sparpläne auf physische ETFs beschränst.

Die schlechte Nachricht: Die meisten Neobroker in Deutschland verdienen an diesem System – und verschleiern die Kosten. Die einzige Möglichkeit, wirklich transparente Konditionen zu erhalten, ist ein Brokerwechsel oder die Nutzung von Limit-Orders.

Frage an dich: Wie viel Rendite hast du in den letzten 12 Monaten durch versteckte Orderkosten verloren? Ein Blick in

Erstellt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz unter redaktioneller Aufsicht. Quellen automatisiert geprüft. Wie wir arbeiten

Aksjer #order-splitting #market-maker #neobroker #kosten #transparenz #mifid-ii

← Zurück zu Aktien und Börse

Jetzt kostenlos vergleichen