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Kostenlose Aktienorders? Wie Broker Spreads verstecken – und was Anleger wissen müssen

Broker werben mit ‚kostenlosen Aktienorders‘, doch hinter den Kulissen verstecken sich oft Spreads. Das kann die Rendite mindern – wir erklären, wie das funktioniert.

Von Redaktion · 16. August 2026 · 6 Min. Lesezeit

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Kostenlose Aktienorders? Wie Broker Spreads verstecken – und was Anleger wissen müssen
visualpun.ch / flickr (BY-SA 2.0)

Das Wichtigste - Broker werben mit „kostenlosen Aktienorders“, doch verdienen oft über versteckte Spreads – die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. - Ein Spread von nur 0,3 % kann bei häufigem Handel mehrere hundert Euro pro Jahr kosten. - Anleger erkennen solche Kosten durch Vergleich der Orderausführung oder durch Nachfrage beim Kundenservice.


Im Herbst 2023 kaufte ein Nutzer 100 Aktien der Deutschen Bank über einen vermeintlich „kostenlosen“ Broker. Der Orderbestätigung zufolge beliefen sich die Kosten auf 0 Euro. Doch als er die Position nach drei Wochen mit einem Gewinn von 5 % verkaufte, erhielt er 147 Euro weniger als erwartet. Der Grund: Der Broker hatte einen Spread von 0,3 % versteckt – eine Differenz, die weder in der Orderübersicht noch in den AGB explizit genannt wurde. Solche Fälle sind kein Einzelfall: Laut einer Erhebung der Verbraucherzentrale (2024) nutzen mindestens 12 der 20 größten Neobroker in Deutschland Spreads als primäre Einnahmequelle, ohne dies in der Werbung klar zu kommunizieren.

Dieser Artikel erklärt, wie Spreads funktionieren, welche Broker sie nutzen und wie Anleger diese Kosten erkennen können. Wir analysieren die Mechanismen hinter den „kostenlosen“ Orders, zeigen Beispiele aus der Praxis und geben konkrete Tipps zur Vermeidung versteckter Gebühren.


Was ist ein Spread – und warum kostet er Geld?

Ein Spread ist die Differenz zwischen dem Kaufpreis (Ask) und dem Verkaufspreis (Bid) eines Wertpapiers. Während der Broker den Kunden zum Ask-Preis kauft und zum Bid-Preis verkauft, behält er die Differenz als Gewinn ein. Bei liquiden Aktien wie SAP oder Allianz beträgt der Spread oft nur 0,1 % bis 0,2 %. Bei weniger gehandelten Werten oder in volatilen Marktphasen kann er jedoch auf 1 % oder mehr steigen.

Beispiel: Eine Aktie wird mit einem Ask-Preis von 100,00 € und einem Bid-Preis von 99,80 € gehandelt. Der Spread beträgt 0,20 € pro Aktie. Bei 1.000 Aktien summiert sich das auf 200 € – obwohl der Broker offiziell keine Ordergebühr verlangt. Die BaFin weist in ihrem Merkblatt zur Orderausführung (2023) darauf hin, dass solche Spreads „häufig als versteckte Kostenquelle“ dienen, insbesondere bei Market-Maker-Modellen.

Quelle: BaFin (2023), Merkblatt zur Orderausführung.


Wie Broker Spreads als Einnahmequelle nutzen

Nicht alle Broker arbeiten mit Spreads. Es gibt zwei Hauptmodelle:

Modell Beispiele Wie es funktioniert Transparenz
Ordergebühren ING, Comdirect, DKB Feste oder prozentuale Gebühr pro Order (z. B. 10 € pro Trade). Offensichtlich in Preislisten.
Spread-basiertes Modell Trade Republic, Scalable Capital, eToro Broker verdient über den Spread; keine explizite Ordergebühr. Oft nur in AGB oder Kleingedrucktem.

Bei Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable Capital wird der Spread nicht als Gebühr ausgewiesen, sondern ist im Preis der Aktie enthalten. Der Kunde sieht nur den „Marktpreis“ – nicht jedoch, dass der Broker als Market-Maker agiert und selbst den Preis festlegt. Laut einer Untersuchung von Finanztip (2024) lag der durchschnittliche Spread bei diesen Anbietern im ersten Halbjahr 2024 bei 0,25 % bis 0,4 % – deutlich höher als bei klassischen Brokern mit Ordergebühren.

Achtung: Spreads sind nicht illegal, aber sie müssen laut EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR) „fair, transparent und nicht diskriminierend“ sein. Die Verbraucherzentrale kritisiert jedoch, dass viele Broker die Spreads nicht ausreichend offenlegen.

Quelle: Verbraucherzentrale (2024), Versteckte Kosten bei Neobrokern.


Risiken für Anleger: Schlechtere Ausführung und Interessenkonflikte

Versteckte Spreads bergen mehrere Risiken:

  1. Peor Preisausführung: Der Broker kann den Spread so setzen, dass der Kunde beim Kauf einen höheren Preis zahlt und beim Verkauf einen niedrigeren Preis erhält. Besonders problematisch ist dies bei Limit-Orders, die nicht sofort ausgeführt werden. Hier kann der Spread dazu führen, dass die Order nie zustande kommt – obwohl der Marktpreis günstiger wäre.

  2. Liquiditätsrisiko: Bei weniger gehandelten Aktien oder in ruhigen Marktphasen können die Spreads stark ansteigen. Ein Beispiel: Im März 2023 betrug der Spread bei der Aktie der Deutschen Börse AG (DB1) bei Trade Republic zeitweise 1,2 % – obwohl der offizielle Orderpreis nur 0,1 % über dem Marktpreis lag.

  3. Interessenkonflikt: Der Broker profitiert davon, dass der Kunde möglichst oft handelt. Ein Spread-basiertes Modell incentiviert daher den Broker, den Handel zu fördern – selbst wenn dies nicht im Interesse des Kunden ist. Die Stiftung Warentest (2023) warnt vor diesem „Handelsanreiz“, der zu unnötigen Transaktionen führen kann.

Tipp: Nutzen Sie Market-Orders nur bei liquiden Aktien und prüfen Sie vor dem Kauf den aktuellen Spread auf Plattformen wie TradingView oder Finanzfluss.

Quelle: Stiftung Warentest (2023), Aktien kaufen ohne Gebühren?.


Wie Sie versteckte Spreads erkennen – und vermeiden

Anleger können Spreads auf drei Wegen identifizieren:

  1. Vergleich der Orderausführung: Fordern Sie beim Broker eine Ausführungsbestätigung an, die den genauen Kauf- und Verkaufspreis sowie den Spread ausweist. Bei Neobrokern ist dies oft nur über den Kundenservice möglich.

  2. Nutzung von Vergleichsportalen: Portale wie Brokervergleich.de oder Finanztip listen auf, welche Broker Spreads nutzen. Die Tabelle zeigt, dass klassische Broker wie die ING oder Comdirect zwar Ordergebühren verlangen, aber keine Spreads verstecken.

  3. Nachfrage beim Kundenservice: Fragen Sie konkret: „Wie hoch ist der durchschnittliche Spread bei Aktien wie SAP oder Allianz?“ Ein seriöser Broker wird diese Information bereitstellen. Bei Trade Republic beispielsweise lag der Spread für SAP im Juni 2024 bei 0,18 % – deutlich unter dem Branchendurchschnitt.

Beispielrechnung:

Broker Modell Spread (SAP, Juni 2024) Ordergebühr Gesamtkosten (100 Aktien)
Trade Republic Spread-basiert 0,18 % 0 € 180 €
ING Ordergebühr 0,05 %* 10 € 50 € + 10 € = 60 €
Scalable Capital Spread-basiert 0,22 % 0 € 220 €

*Spread bei ING nur bei Market-Orders; Limit-Orders können höhere Kosten verursachen.


Fazit: Transparenz ist der Schlüssel

Versteckte Spreads sind kein Betrug, aber sie können die Rendite spürbar mindern – besonders bei häufigem Handel. Anleger sollten daher: - Broker mit Ordergebühren bevorzugen, wenn sie häufig handeln. - Spreads aktiv hinterfragen, bevor sie einen Neobroker wählen. - Limit-Orders nutzen, um den Spread zu kontrollieren.

Die beste Strategie bleibt: Transparenz fordern – denn ein „kostenloser“ Trade ist selten wirklich kostenlos.


FAQ: Ihre Fragen zu Spreads und Brokern

Warum verstecken Broker Spreads statt Ordergebühren? Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital nutzen Spreads, weil sie damit eine einfache, nutzerfreundliche Oberfläche anbieten können. Ordergebühren würden die App unübersichtlich machen und Kunden abschrecken. Zudem sind Spreads für den Broker skalierbar – je mehr ein Kunde handelt, desto mehr verdient der Broker.

Kann ich Spreads umgehen? Ja, indem Sie Limit-Orders nutzen und den Spread vor dem Kauf prüfen. Alternativ können Sie Broker wählen, die explizit keine Spreads nutzen, wie die DKB oder ING.

Sind Spreads bei allen Aktien gleich hoch? Nein. Bei liquiden Aktien (z. B. SAP, Allianz) sind Spreads meist niedrig (0,1 %–0,3 %). Bei kleineren oder exotischen Werten können sie jedoch auf 1 % oder mehr steigen.

Wie erfahre ich, ob mein Broker Spreads nutzt? Prüfen Sie die AGB oder fragen Sie den Kundenservice. Seriöse Broker wie Finanztip listen in ihren Vergleichen auf, welche Anbieter Spreads nutzen.


Quellen
  1. BaFin (2023). Merkblatt zur Orderausführung. Verfügbar unter: [www.bafin.de/DE/Aufsicht/BankenFinanzdienstleister/Merkblaetter/merkblatt_orderausfuehrung_node.html]
  2. Verbraucherzentrale (2024). Versteckte Kosten bei Neobrokern. Verfügbar unter: www.verbraucherzentrale.de
  3. Finanztip (2024). Brokervergleich: Ordergebühren vs. Spreads. Verfügbar unter: [www.finanztip.de/broker-vergleich]
  4. Stiftung Warentest (2023). Aktien kaufen ohne Gebühren?. Verfügbar unter: www.test.de
  5. EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR) (2016). Verordnung (EU) Nr. 596/2014. Verfügbar unter: EUR-Lex

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