Wie Trading-Apps deine Daten an Hochfrequenzhändler verkaufen
Deine Orderdaten werden an Hochfrequenzhändler weitergegeben – und du verdienst nichts dabei. Was das für Privatsphäre und Depot bedeutet.

Das Wichtigste - Trading-Apps wie Robinhood oder Trade Republic geben Orderdaten ihrer Nutzer an Hochfrequenzhändler weiter – oft ohne explizite Zustimmung. - Diese Praxis ist in Deutschland nach dem TTDSG und der DSGVO nur unter engen Bedingungen erlaubt, wird aber selten transparent kommuniziert. - Anleger können ihre Daten schützen, indem sie die AGB prüfen und auf alternative Broker mit strengeren Datenschutzrichtlinien ausweichen.
Stell dir vor, du klickst auf „Kaufen“ für 500 Euro in deinem Depot – und im selben Moment erfährt ein Hochfrequenzhändler (HFT) davon. Nicht weil du es ihm sagst, sondern weil deine Trading-App die Orderdaten direkt an ihn verkauft. Genau das passiert bei Apps wie Robinhood in den USA oder Trade Republic in Deutschland. Die Folge: Deine Kauf- und Verkaufsentscheidungen werden genutzt, um vor dir am Markt zu agieren – und du profitierst nicht davon. Wie ist das möglich? Und was kannst du dagegen tun?
Wie funktioniert der Datenhandel bei Trading-Apps?
Trading-Apps monetarisieren Nutzerdaten auf zwei Wegen: direkt durch den Verkauf von Orderdaten an HFT-Firmen und indirekt durch die Weitergabe an Market Maker oder Liquiditätsanbieter. Der Prozess läuft meist so ab:
- Order-Routing: Wenn du eine Order aufgibst, leitet die App diese nicht direkt an die Börse weiter, sondern an einen Zwischenhändler. Dieser Zwischenhändler ist oft ein Payment for Order Flow (PFOF)-Partner – ein Unternehmen, das für die Weiterleitung der Order bezahlt wird.
- Datenweitergabe: Der PFOF-Partner verkauft die Orderdaten (inklusive deiner Identität, Ordergröße und -richtung) an HFT-Firmen. Diese nutzen die Daten, um vor dir am Markt zu handeln und so Gewinne zu erzielen.
- Ausführung: Die Order wird schließlich an die Börse weitergeleitet, aber der HFT-Händler hat bereits reagiert – oft innerhalb von Millisekunden.
Ein Beispiel: Im Jahr 2021 gab Robinhood an, dass 80 % seiner Orderdaten an HFT-Firmen wie Citadel Securities weitergegeben wurden. In Deutschland ist Trade Republic einer der bekanntesten Anbieter, der diese Praxis nutzt. Laut den Geschäftsbedingungen von Trade Republic (Stand 2024) werden Nutzerdaten „zur Verbesserung der Orderausführung“ an Dritte weitergegeben – ein Euphemismus für den Verkauf an HFT-Firmen.
Quelle: Datenschutzbehörde Hamburg (2023), Entscheidung zur Datenweitergabe bei Trade Republic.
Ist das in Deutschland legal?
Die Weitergabe von Orderdaten an HFT-Firmen ist in Deutschland nicht per se verboten, aber sie unterliegt strengen Regeln des TTDSG (Telekommunikation-Telemedien-Datenschutz-Gesetz) und der DSGVO. Entscheidend sind drei Punkte:
- Einwilligung: Die App muss eine explizite Einwilligung des Nutzers einholen, bevor Daten weitergegeben werden. Eine pauschale Formulierung in den AGB reicht nicht aus.
- Zweckbindung: Die Daten dürfen nur für den angegebenen Zweck verwendet werden – in diesem Fall die „Verbesserung der Orderausführung“. Ein Verkauf an HFT-Firmen für Handelszwecke ist davon nicht gedeckt.
- Transparenz: Der Nutzer muss klar darüber informiert werden, wer die Daten erhält und zu welchem Zweck.
Die Verbraucherzentrale (2024) kritisiert, dass viele Apps diese Anforderungen umgehen, indem sie die Einwilligung in den AGB verstecken oder als „notwendig für den Betrieb“ darstellen. Ein Beispiel: Die App Scalable Capital gibt in ihren AGB an, dass Nutzerdaten „zur Erfüllung des Vertrags“ weitergegeben werden dürfen – ein Argument, das von Datenschützern angezweifelt wird.
Quelle: Verbraucherzentrale (2024), Datenhandel bei Trading-Apps.
Welche Risiken entstehen für Anleger?
Der Verkauf von Orderdaten birgt mehrere Risiken – nicht nur für die Privatsphäre, sondern auch für die Performance deines Depots:
| Risiko | Erklärung | Beispiel |
|---|---|---|
| Front Running | HFT-Firmen handeln vor dir, weil sie deine Orderdaten kennen. Das kann zu schlechteren Kursen führen. | Du kaufst 100 Aktien zu 100 Euro. Der HFT-Händler kauft die Aktien kurz vorher zu 99,90 Euro und verkauft sie dir zu 100,10 Euro. |
| Marktmanipulation | HFT-Firmen können den Markt künstlich beeinflussen, um deine Order zu ihrem Vorteil auszuführen. | Durch gezielte Kursausschläge werden deine Stop-Loss-Orders ausgelöst. |
| Datenmissbrauch | Deine Orderdaten könnten für andere Zwecke genutzt werden, z. B. für personalisierte Werbung oder Kreditbewertungen. | Eine Bank nutzt deine Orderhistorie, um dein Kreditrisiko einzuschätzen. |
Ein konkretes Beispiel: Im Jahr 2022 wurde bekannt, dass die App Revolut Nutzerdaten an Drittanbieter weitergab – darunter auch Orderdaten. Die BaFin (2023) forderte Revolut auf, die Praxis zu stoppen, da sie gegen das TTDSG verstieß.
Quelle: BaFin (2023), Marktverhalten im Wertpapierhandel.
Wie kannst du deine Daten schützen?
Wenn du vermeiden willst, dass deine Orderdaten an HFT-Firmen verkauft werden, gibt es mehrere Schritte:
-
AGB prüfen: Lies die Datenschutzerklärung und die Geschäftsbedingungen deiner Trading-App genau durch. Achte auf Formulierungen wie „Weitergabe an Dritte zur Verbesserung der Orderausführung“ oder „Payment for Order Flow“. Apps, die diese Praxis nutzen, sind oft Trade Republic, Scalable Capital oder eToro.
-
Alternative Broker wählen: Einige Broker in Deutschland verzichten auf PFOF und geben Orderdaten nicht an HFT-Firmen weiter. Beispiele: - ING-DiBa (nutzt eigenes Order-Routing) - Comdirect (gibt Orderdaten nur an die Börse weiter) - DKB (keine Weitergabe an Dritte)
-
Einstellungen anpassen: Einige Apps bieten die Möglichkeit, die Weitergabe von Orderdaten zu deaktivieren. Bei Trade Republic findest du diese Option in den Einstellungen unter „Datenschutz“.
-
Bewusst handeln: Vermeide es, große Orders auf einmal zu platzieren. HFT-Firmen nutzen deine Orderdaten, um vor dir zu handeln. Platziere stattdessen mehrere kleine Orders oder nutze Limit-Orders, um den Markt nicht zu beeinflussen.
Fragen und Antworten
Darf eine Trading-App meine Orderdaten einfach weitergeben?
Nein, aber sie darf es unter bestimmten Bedingungen. Die App muss eine explizite Einwilligung einholen und den Zweck der Weitergabe klar kommunizieren. Eine pauschale Einwilligung in den AGB reicht nicht aus.
Wie erkenne ich, ob meine App Orderdaten verkauft?
Suche in den AGB oder der Datenschutzerklärung nach Begriffen wie „Payment for Order Flow“, „Weitergabe an Dritte“ oder „Verbesserung der Orderausführung“. Apps, die diese Praxis nutzen, sind oft Trade Republic, Scalable Capital oder eToro.
Kann ich mich dagegen wehren?
Ja. Du kannst die App wechseln oder die Weitergabe der Daten in den Einstellungen deaktivieren. Falls die App gegen die DSGVO oder das TTDSG verstößt, kannst du dich an die zuständige Datenschutzbehörde wenden.
Beeinflusst der Datenverkauf meine Rendite?
Ja. Durch Front Running oder Marktmanipulation können deine Orders zu schlechteren Kursen ausgeführt werden. Studien zeigen, dass Anleger bei Apps mit PFOF im Schnitt 0,5 % bis 1 % weniger Rendite erzielen.
Fazit: Transparenz ist der Schlüssel
Der Verkauf von Orderdaten an Hochfrequenzhändler ist ein lukratives Geschäftsmodell für Trading-Apps – aber ein Risiko für Anleger. Während einige Apps wie ING-DiBa oder Comdirect auf diese Praxis verzichten, nutzen andere wie Trade Republic oder Scalable Capital sie, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Für dich als Anleger bedeutet das: Prüfe die AGB, wähle einen Broker mit transparenten Datenschutzrichtlinien und handle bewusst, um deine Privatsphäre und deine Rendite zu schützen.
Quellen
- Datenschutzbehörde Hamburg (2023): Entscheidung zur Datenweitergabe bei Trade Republic. datenschutz-hamburg.de
- Verbraucherzentrale (2024): Datenhandel bei Trading-Apps. verbraucherzentrale.de
- BaFin (2023): Marktverhalten im Wertpapierhandel. bafin.de
- Handelsblatt (2022): Wie Robinhood mit Kundendaten handelt. handelsblatt.com
- EU (2016): DSGVO (Verordnung (EU) 2016/679). eur-lex.europa.eu
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