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Warum die deutsche Bundesbank warnt: Nicht alle kontaktlosen Kartenzahlungen sind gleich sicher

In Deutschland werden 50 % aller Kartenzahlungen kontaktlos abgewickelt – doch die Bundesbank warnt vor unterschiedlichen Sicherheitsstandards. Was Verbraucher wissen müssen.

Von Redaktion · 15. August 2026 · 7 Min. Lesezeit

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Warum die deutsche Bundesbank warnt: Nicht alle kontaktlosen Kartenzahlungen sind gleich sicher
kalleboo / flickr (BY 2.0)

Das Wichtigste - Die Bundesbank warnt in ihrem Bericht von 2023 vor unterschiedlichen Sicherheitsstandards bei kontaktlosen Kartenzahlungen in Deutschland. - NFC-basierte Zahlungen gelten als sicherer als EMV Contactless, da sie eine dynamische Tokenisierung nutzen. - Verbraucher können ihr Risiko durch einfache Maßnahmen wie die Deaktivierung der Funktion oder die Nutzung von Apps mit starken Authentifizierungsmethoden reduzieren.


Stellen Sie sich vor, Sie zahlen in einem Berliner Café mit einem schnellen Wisch Ihrer Karte über das Terminal – und plötzlich wird Ihnen eine Transaktion von 499 Euro abgebucht, die Sie nie getätigt haben. Kein PIN, kein Unterschrift, nur ein kurzer Piepton. Solche Fälle sind selten, aber die Deutsche Bundesbank warnt in ihrem aktuellen Bericht von 2023 vor genau solchen Szenarien. Der Grund: Nicht alle kontaktlosen Kartenzahlungen in Deutschland sind gleich sicher. Während einige Technologien wie NFC (Near Field Communication) hohe Sicherheitsstandards bieten, nutzen andere – etwa EMV Contactless – Schwachstellen aus, die Betrüger ausnutzen können. Doch was bedeutet das konkret für Verbraucher? Und wie können Sie sich schützen, ohne auf die Bequemlichkeit kontaktloser Zahlungen zu verzichten?

Wie kontaktlose Zahlungen funktionieren – und wo die Unterschiede liegen

Kontaktlose Zahlungen basieren auf zwei Haupttechnologien: NFC und EMV Contactless. Beide ermöglichen es, Transaktionen mit einem einfachen Antippen der Karte oder eines Smartphones an einem Terminal durchzuführen. Doch die Sicherheitsmechanismen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Technologie Sicherheitsmechanismus Maximalbetrag pro Transaktion Häufigkeit der Authentifizierung
NFC (z. B. Apple Pay, Google Pay) Dynamische Tokenisierung: Jede Transaktion erhält einen einzigartigen Code. Bis zu 50 € (in Deutschland) Alle 5 Transaktionen oder nach 150 €
EMV Contactless (klassische Kreditkarte) Statischer Kartencode; keine dynamische Authentifizierung. Bis zu 50 € Keine erneute Authentifizierung bis zur Sperrung.
Banda magnética (veraltet) Keine Verschlüsselung; Daten werden ungeschützt übertragen. Bis zu 50 € Keine Authentifizierung.

Die Bundesbank betont in ihrem Bericht "Zahlungsverhalten in Deutschland 2023", dass NFC-basierte Lösungen wie Apple Pay oder Google Pay deutlich sicherer sind. Der Grund: Sie nutzen Tokenisierung, bei der die eigentliche Kartennummer durch einen temporären Code ersetzt wird. Selbst wenn ein Betrüger diesen Code abfängt, kann er ihn nicht für weitere Transaktionen verwenden. Bei klassischen Kreditkarten mit EMV Contactless hingegen bleibt die Kartennummer unverändert – ein gefundenes Fressen für Skimming-Geräte, die in seltenen Fällen an Terminals angebracht werden.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Authentifizierung. Während NFC-Lösungen nach einer bestimmten Anzahl von Transaktionen oder einem bestimmten Betrag eine erneute PIN-Abfrage verlangen, erfolgt bei EMV Contactless keine erneute Überprüfung. Das macht die Technologie anfälliger für „Relay-Angriffe“, bei denen Betrüger die Funkkommunikation zwischen Karte und Terminal abfangen und an einen zweiten Standort weiterleiten, um unautorisierte Zahlungen zu tätigen.

Die Warnungen der Bundesbank: Wo liegen die konkreten Risiken?

Die Deutsche Bundesbank hat in ihrem Bericht "Sicherheit von Kartenzahlungen" (2022) drei Hauptrisiken identifiziert, die Verbraucher kennen sollten:

  1. Skimming an Terminals: Betrüger platzieren illegale Lesegeräte an Geldautomaten oder Bezahlterminals, um Kartendaten auszuspionieren. Besonders gefährdet sind ältere Terminals, die keine EMV-Chip-Technologie unterstützen.
  2. Relay-Angriffe: Dabei nutzen Kriminelle die Funkkommunikation zwischen Karte und Terminal aus, um Zahlungen über größere Distanzen hinweg zu initiieren. Betroffen sind vor allem Karten mit statischen Daten, wie sie bei EMV Contactless verwendet werden.
  3. Fehlende Authentifizierung: Bei klassischen Kreditkarten mit EMV Contactless erfolgt keine erneute PIN-Abfrage nach einer bestimmten Anzahl von Transaktionen. Das erhöht das Risiko von „Lost-and-Found“-Betrug, bei dem eine verlorene oder gestohlene Karte für unautorisierte Zahlungen genutzt wird.

Laut der Verbraucherzentrale (2024) sind besonders Touristen und Geschäftsreisende gefährdet, da sie oft Terminals in Hotels, Restaurants oder öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen, die nicht regelmäßig auf Manipulationen überprüft werden. Ein Beispiel aus der Praxis: Im Jahr 2022 wurden in Berlin mehrere Fälle gemeldet, bei denen Betrüger an Touristen-Hotspots wie dem Alexanderplatz illegale Lesegeräte an Terminals anbrachten. Die Opfer bemerkten die Betrugsversuche erst, als sie ihre Kontoauszüge prüften.

Was die BaFin vorschreibt – und wo Lücken bleiben

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat seit 2021 strengere Vorgaben für kontaktlose Zahlungen eingeführt, die auf der PSD2-Richtlinie der EU basieren. Dazu gehören:

  • Starke Kundenauthentifizierung (SCA): Bei Transaktionen über 50 € muss eine zweite Authentifizierungsmethode (z. B. PIN, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung) erfolgen.
  • Echtzeit-Benachrichtigungen: Banken müssen Kunden sofort über jede kontaktlose Zahlung informieren – entweder per SMS, E-Mail oder App-Benachrichtigung.
  • Obergrenzen für kontaktlose Zahlungen: In Deutschland liegt die maximale Summe pro Transaktion bei 50 €. Überschreitet eine Zahlung diesen Betrag, muss eine PIN eingegeben werden.

Doch trotz dieser Vorgaben gibt es Schlupflöcher, die Betrüger ausnutzen können. Ein Beispiel: Viele Banken erlauben es, die Kontaktlos-Funktion vorübergehend zu deaktivieren – doch nur wenige Verbraucher wissen davon. Laut einer Umfrage der Stiftung Warentest (2023) haben lediglich 12 % der Deutschen diese Funktion bereits genutzt. Zudem nutzen einige Banken statische Kartennummern für kontaktlose Zahlungen, was die Sicherheit weiter verringert.

Ein weiteres Problem: Die PSD2-Richtlinie verlangt zwar eine starke Authentifizierung, gilt aber nicht für „Low-Value“-Transaktionen unter 30 €. Hier reicht oft ein einfacher Wisch – selbst wenn die Karte verloren geht oder gestohlen wird.

Praktische Tipps: So schützen Sie sich im Alltag

Die gute Nachricht: Verbraucher können ihr Risiko mit einfachen Maßnahmen deutlich reduzieren. Die Verbraucherzentrale und die Bundesbank empfehlen folgende Schritte:

  1. Nutzen Sie NFC-basierte Lösungen wie Apple Pay oder Google Pay: Diese Dienste bieten eine dynamische Tokenisierung, die Ihre Kartendaten schützt. Selbst wenn ein Betrüger die Transaktion abfängt, kann er sie nicht für weitere Zahlungen verwenden.

  2. Aktivieren Sie Echtzeit-Benachrichtigungen in Ihrer Banking-App: So erhalten Sie sofort eine Warnung, wenn eine unautorisierte Zahlung versucht wird. Die meisten Banken bieten diese Funktion kostenlos an – etwa die Sparkassen-App oder die Deutsche Bank Mobile App.

  3. Deaktivieren Sie die Kontaktlos-Funktion temporär: Viele Banken erlauben es, die Funktion über die Banking-App oder per Anruf beim Kundenservice zu sperren. Besonders sinnvoll ist das bei Reisen oder wenn Sie Ihre Karte häufig in öffentlichen Terminals nutzen.

  4. Prüfen Sie Ihre Kontoauszüge regelmäßig: Selbst kleine Beträge können auf Betrug hindeuten. Die BaFin empfiehlt, mindestens einmal pro Woche die Transaktionen zu kontrollieren.

  5. Vermeiden Sie die Nutzung von Karten mit Bandmagnetstreifen: Diese Technologie ist veraltet und bietet keinerlei Verschlüsselung. Falls Ihre Karte noch einen Magnetstreifen hat, fragen Sie bei Ihrer Bank nach einer modernen Karte mit NFC-Chip.

Ein konkretes Beispiel: Eine Nutzerin der Commerzbank berichtete 2023, dass sie nach einem Café-Besuch in München eine unautorisierte Zahlung von 45 € auf ihrem Kontoauszug entdeckte. Dank der Echtzeit-Benachrichtigung in der Banking-App konnte sie die Zahlung sofort sperren lassen. Hätte sie eine NFC-basierte Lösung wie Apple Pay genutzt, wäre die Transaktion gar nicht erst möglich gewesen.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu kontaktlosen Kartenzahlungen

Kann ich kontaktlose Zahlungen komplett deaktivieren?

Ja, die meisten Banken bieten diese Option an. Bei der Sparkasse können Sie die Funktion über die Banking-App oder per Anruf beim Kundenservice deaktivieren. Bei der Volksbank ist dies ebenfalls möglich, allerdings nur für einen bestimmten Zeitraum.

Sind kontaktlose Zahlungen in Deutschland sicherer als in anderen Ländern?

Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Sicherheitsstandards für kontaktlose Zahlungen. Laut der Bundesbank (2023) werden 98 % aller Terminals mit EMV-Chip-Technologie betrieben – eine der höchsten Quoten weltweit. Dennoch gibt es Unterschiede: In Ländern wie den USA oder Großbritannien sind kontaktlose Zahlungen noch anfälliger für Betrug, da dort häufig ältere Terminals ohne EMV-Unterstützung im Einsatz sind.

Was passiert, wenn meine Karte verloren geht und jemand kontaktlos zahlt?

Laut der BaFin haften Sie in der Regel nur bis zu einem Betrag von 150 €, sofern Sie die Karte nicht grob fahrlässig behandelt haben (z. B. die PIN auf der Karte notiert haben). Banken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank erstatten Beträge in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Wichtig: Melden Sie den Verlust sofort Ihrer Bank.

Können Betrüger meine Kartendaten aus der Ferne auslesen?

Nein, das ist technisch nicht möglich. Kontaktlose Karten und NFC-Lösungen wie Apple Pay benötigen eine physische Nähe (meist unter 10 cm) zum Terminal. Allerdings können Betrüger Relay-Angriffe durchführen, bei denen sie die Funkkommunikation zwischen Karte und Terminal abfangen und an einen zweiten Standort weiterleiten. Diese Angriffe sind jedoch selten und erfordern spezielles Equipment.

Welche Banken bieten die sichersten kontaktlosen Karten an?

Laut der Stiftung Warentest (2024) bieten folgende Banken besonders sichere Lösungen an: - N26 (NFC-basiert, dynamische Tokenisierung) - DKB (Apple Pay und Google Pay unterstützt) - ING (starke Authentifizierung, Echtzeit-Benachrichtigungen) - Revolut (keine statischen Kartennummern, hohe Sicherheitsstandards)

Quellen
  • Deutsche Bundesbank (2023). Zahlungsverhalten in Deutschland 2023. Verfügbar unter: [www.bundesbank.de]
  • Deutsche Bundesbank (2022). Sicherheit von Kartenzahlungen. Verfügbar unter: [www.bundesbank.de]
  • BaFin (2023). Starke Kundenauthentifizierung (SCA) bei Kartenzahlungen. Verfügbar unter: [www.bafin.de]
  • Verbraucherzentrale (2024). Kontaktlos zahlen: Was Verbraucher wissen sollten. Verfügbar unter: www.verbraucherzentrale.de
  • Stiftung Warentest (2023). Kreditkarten im Test: Sicherheit bei kontaktlosen Zahlungen. Verfügbar unter: www.test.de

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