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„Kostenloser“ Kreditvermittler: Wie Banken Provisionen verstecken

Portale werben mit „kostenloser“ Kreditvermittlung – doch hinter den Kulissen fließen Provisionen. Wer zahlt wirklich? Und wie hoch sind die versteckten Kosten?

Von Redaktion PrivatKreditZeitung · 26. August 2026 · 6 Min. Lesezeit

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„Kostenloser“ Kreditvermittler: Wie Banken Provisionen verstecken
Ilustracion propia (SVG, CC0)

Das Wichtigste - Portale für „kostenlose“ Kreditvermittlung finanzieren sich oft über versteckte Provisionen der Banken – nicht über den Kunden. - Die Provisionen können bis zu 1,5 % des Kreditbetrags betragen und erhöhen indirekt die Kosten für den Kreditnehmer. - Ein Vergleich über Direktbanken oder regionale Förderinstitute kann günstigere Konditionen bieten – ohne Vermittlungsprovision.


„Kostenloser Kreditvermittlungsservice – einfach und schnell!“ So werben viele Online-Portale für die Vermittlung von Privatkrediten. Doch wer genau hinschaut, entdeckt: Hinter dem Versprechen stecken Provisionen, die Banken an die Vermittler zahlen. Für Verbraucher bedeutet das: Die Kosten des Kredits können höher ausfallen, als auf den ersten Blick ersichtlich.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Kunde beantragt 2025 über ein großes Vergleichsportal einen Ratenkredit über 15.000 Euro mit einer Laufzeit von 60 Monaten. Der angegebene Sollzins beträgt 3,99 % p. a. Doch der effektive Jahreszins liegt bei 4,56 % – höher als bei einer Direktbank. Der Grund: Das Portal erhält von der Bank eine Vermittlungsprovision von 1,2 % des Kreditbetrags, die in die Kalkulation einfließt. Quelle: Stiftung Warentest (2025), „Kreditportale im Test“

Doch wie funktioniert dieses Modell genau? Und welche Alternativen gibt es?


1. Das Geschäftsmodell der „kostenlosen“ Vermittlung: Wer zahlt wirklich?

Kreditvermittlungsportale werben damit, dass ihre Dienstleistung für Kunden kostenlos sei. Doch diese Aussage ist irreführend. Tatsächlich finanzieren sich die Portale über Provisionen, die Banken für vermittelte Kredite zahlen. Diese Provisionen werden in der Regel als „Bearbeitungsgebühr“ oder „Vermittlungsentgelt“ in die Konditionen des Kredits eingerechnet – und damit indirekt vom Kreditnehmer getragen.

Wie hoch sind die Provisionen?

Laut BaFin-Merkblatt zur Kreditvermittlung (2023) können die Provisionen zwischen 0,5 % und 2 % des Kreditbetrags liegen. Bei einem Kredit über 20.000 Euro bedeutet das: - Provision von 1 % = 200 Euro zusätzliche Kosten, - Provision von 1,5 % = 300 Euro zusätzliche Kosten.

Diese Provisionen fließen nicht in den Sollzins ein, sondern erhöhen den effektiven Jahreszins – und damit die Gesamtkosten des Kredits. Quelle: BaFin (2023), „Merkblatt zur Kreditvermittlung“

Wer profitiert?

  • Vermittlerportale: Sie erhalten eine Provision pro vermitteltem Kredit.
  • Banken: Sie zahlen die Provision, um an Kunden zu kommen – oft zu günstigeren Konditionen als bei Direktverträgen.
  • Kreditnehmer: Sie zahlen indirekt über höhere Zinsen, ohne es immer zu wissen.

Wichtig: Die Provisionen sind nicht illegal, aber sie müssen transparent kommuniziert werden. Laut §655a BGB müssen Vermittler ihre Provisionen offenlegen – doch viele tun das nur in den „Kleingedruckten“ der Verträge.


2. Wie Vermittlerportale die Kosten verschleiern: Drei Tricks

Nicht alle Portale gehen offen mit ihren Provisionen um. Einige nutzen psychologische und rechtliche Tricks, um die Kosten für den Kunden zu verschleiern. Drei häufige Methoden:

1. Der „kostenlose“ Vergleich – mit versteckten Provisionen

Viele Portale bieten einen „kostenlosen Kreditvergleich“ an. Doch hinter den Kulissen erhalten sie Provisionen von Banken, deren Kredite sie besonders prominent platzieren. Das führt dazu, dass bestimmte Banken bevorzugt werden – nicht weil sie die günstigsten Konditionen bieten, sondern weil sie die höchsten Provisionen zahlen.

Beispiel: Ein Portal listet einen Kredit mit einem Sollzins von 3,99 % an erster Stelle – doch der effektive Jahreszins beträgt 4,89 %. Ein anderer Kredit mit einem Sollzins von 4,20 % und einem effektiven Jahreszins von 4,40 % wird weiter unten angezeigt. Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (2024), „Kostenlose Kreditvermittlung – was steckt dahinter?“

2. Die „SCHUFA-neutrale“ Anfrage – ein Mythos

Einige Portale werben damit, dass ihre Kreditanfragen „SCHUFA-neutral“ seien. Doch das ist nicht korrekt. Jede Kreditanfrage – ob über ein Portal oder direkt bei der Bank – wird in der SCHUFA-Auskunft vermerkt. Der Unterschied liegt nur darin, wie die Anfrage kommuniziert wird: - Direkt bei der Bank: Die Anfrage wird als „Kreditanfrage“ klassifiziert. - Über ein Portal: Die Anfrage wird oft als „Anfrage zur Konditionsprüfung“ getarnt – doch rechtlich gesehen ist es trotzdem eine Kreditanfrage.

Folge: Mehrere Anfragen in kurzer Zeit können den SCHUFA-Score negativ beeinflussen. Quelle: Bundesdatenschutzbeauftragter (2023), „Häufige Fragen zur SCHUFA“

3. Die „garantierte“ Zusage – ohne Bonitätsprüfung

Einige Portale versprechen eine „garantierte Kreditzusage“ – doch das ist oft nur eine Marketingstrategie. In Wirklichkeit führen die meisten Banken eine Bonitätsprüfung durch, bevor sie einen Kredit genehmigen. Die „Zusage“ bezieht sich meist nur auf eine vorläufige Konditionszusage, die später noch abgelehnt werden kann.

Beispiel: Ein Kunde erhält über ein Portal eine „Zusage“ für einen Kredit über 10.000 Euro. Doch als er die Unterlagen einreicht, lehnt die Bank den Antrag ab – mit der Begründung, sein Einkommen reiche nicht aus. Quelle: Stiftung Warentest (2023), „Kredit ohne Schufa – was wirklich dahintersteckt“


3. Die Alternativen: Wie Sie Provisionen vermeiden können

Wer einen Kredit sucht, muss sich nicht auf Vermittlerportale verlassen. Es gibt günstigere und transparentere Alternativen, die ohne versteckte Provisionen auskommen:

1. Direktbanken: Günstige Konditionen ohne Umwege

Direktbanken wie ING, Commerzbank oder Barclays bieten oft günstigere Kredite als Filialbanken – weil sie keine Filialkosten haben und keine Provisionen an Vermittler zahlen. Ein Vergleich lohnt sich:

Bank Sollzins (p. a.) Effektiver Jahreszins (p. a.) Bearbeitungsgebühr Mindestkreditbetrag
ING 3,49 % 3,56 % 0 € 1.000 €
Commerzbank 3,99 % 4,12 % 1 % (max. 200 €) 3.000 €
Barclays 3,75 % 3,89 % 0 € 2.500 €

Quelle: Finanztip (2025), „Kreditvergleich Direktbanken“

2. Regionale Förderbanken: Günstige Kredite für spezielle Zielgruppen

Förderbanken wie die KfW oder Landesbanken bieten subventionierte Kredite für bestimmte Zwecke (z. B. Modernisierung, Ausbildung, Existenzgründung). Diese Kredite haben oft niedrigere Zinsen und keine versteckten Provisionen.

Beispiel: Die KfW bietet den „KfW-Kredit für Wachstum“ mit einem Zinssatz von 2,95 % p. a. (Stand: August 2025). Die Konditionen sind transparent und ohne Vermittlerprovisionen. Quelle: KfW (2025), „Kredit für Privatpersonen“

3. Hausbank: Persönliche Beratung mit klaren Konditionen

Auch wenn Hausbanken oft höhere Zinsen verlangen, kann ein persönliches Gespräch Vorteile bringen: - Individuelle Konditionen basierend auf der Bonität, - Keine versteckten Provisionen, - Flexiblere Rückzahlungsoptionen.

Tipp: Fragen Sie nach einem „Bonitätskredit“ – einige Banken bieten spezielle Kredite für Kunden mit guter Bonität an.


4. Was Sie tun können: Checkliste für transparente Kredite

Wenn Sie einen Kredit über ein Vermittlerportal beantragen, sollten Sie folgende Punkte prüfen, um versteckte Kosten zu vermeiden:

1. Fragen Sie nach der Provision

  • „Wie hoch ist die Vermittlungsprovision, die die Bank an Sie zahlt?“
  • „Wird diese Provision in den effektiven Jahreszins eingerechnet?“

2. Vergleichen Sie den effektiven Jahreszins

  • Der Sollzins sagt nichts über die Gesamtkosten aus.
  • Der effektive Jahreszins inkludiert alle Gebühren – auch versteckte Provisionen.

3. Prüfen Sie die SCHUFA-Auskunft

  • Jede Kreditanfrage wird in der SCHUFA vermerkt.
  • Mehrere Anfragen in kurzer Zeit können den Score verschlechtern.

4. Lesen Sie die Kleingedruckten

  • Bearbeitungsgebühren,
  • Vorzeitige Rückzahlungsoptionen,
  • Stornobedingungen.

5. Alternativen prüfen

  • Direktbanken,
  • Förderbanken,
  • Hausbank.

5. Fazit: Transparenz ist der Schlüssel

Die Werbung mit „kostenloser“ Kreditvermittlung ist oft irreführend. Hinter den Kulissen fließen Provisionen, die die Kosten für den Kreditnehmer erhöhen. Wer einen Kredit sucht, sollte transparente Alternativen prüfen – wie Direktbanken oder Förderkredite – und immer den effektiven Jahreszins vergleichen.

Frage an Sie: Haben Sie schon einmal einen Kredit über ein Vermittlerportal abgeschlossen? Wie transparent waren die Konditionen für Sie?


Quellen
  • BaFin (2023): Merkblatt zur Kreditvermittlung. Verfügbar unter: [bafin.de]
  • Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (2024): Kostenlose Kreditvermittlung – was steckt dahinter? Verfügbar unter: verbraucherzentrale.de
  • Stiftung Warentest (2025): *K

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