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Bausparvertrag: Warum er für viele eine Steuerfalle ist – und wer wirklich profitiert

Ein Bausparvertrag verspricht staatliche Förderung und niedrige Zinsen – doch für viele Sparer wird er zur Kostenfalle durch versteckte Gebühren und lange Bindung.

Von Redaktion · 15. August 2026 · 9 Min. Lesezeit

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Bausparvertrag: Warum er für viele eine Steuerfalle ist – und wer wirklich profitiert
Alan Stanton / flickr (BY-SA 2.0)

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Das Wichtigste - Ein Bausparvertrag kann durch staatliche Förderung (z. B. Wohnungsbauprämie) attraktiv wirken, doch die effektive Rendite liegt oft unter 1 % nach Abzug aller Kosten. - Viele Sparer zahlen jahrelang ein, ohne jemals ein Darlehen zu nutzen – und verlieren so Flexibilität und Liquidität. - Nur für Haushalte mit stabilem Einkommen, langem Zeithorizont und konkreten Bauplänen lohnt sich das Produkt wirklich.


Stellen Sie sich vor, Sie zahlen 15 Jahre lang monatlich 200 € in einen Bausparvertrag ein – insgesamt 36.000 €. Nach dieser Zeit erhalten Sie ein zinsgünstiges Darlehen von 30.000 €. Klingt fair? Nicht, wenn Sie bedenken, dass Sie in dieser Zeit auf andere Anlagen wie einen ETF oder ein Tagesgeldkonto deutlich mehr Rendite hätten erzielen können. Die Realität zeigt: Für die meisten Sparer in Deutschland ist der Bausparvertrag kein Gewinn, sondern eine Steuerfalle durch versteckte Kosten und lange Bindung. Doch wer profitiert wirklich? Und welche Alternativen gibt es?


## Wie ein Bausparvertrag funktioniert – und warum er oft missverstanden wird

Ein Bausparvertrag ist ein klassisches Spar- und Finanzierungsprodukt, das aus drei Phasen besteht: der Sparphase, der Zuteilungsphase und der Darlehensphase. In der Sparphase zahlen Sie monatlich einen festen Betrag ein, der auf ein Bausparkonto fließt. Nach Erreichen einer bestimmten Sparsumme (meist 40–50 % der Bausparsumme) und einer Wartezeit von mehreren Jahren wird der Vertrag zugeteilt. Dann können Sie entweder das angesparte Guthaben nutzen oder ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe der Differenz zwischen Bausparsumme und Guthaben aufnehmen.

Doch hier beginnt das Problem: Die Rendite des Bausparvertrags ist oft niedriger als bei anderen Sparformen. Während ein ETF auf den MSCI World in den letzten 10 Jahren durchschnittlich 7 % p. a. erzielte, liegt die Verzinsung eines Bausparvertrags bei etwa 0,1–2 % p. a. nach Abzug aller Gebühren. Zudem sind Bausparverträge unflexibel: Ein vorzeitiger Ausstieg ist meist mit hohen Kosten verbunden, und die staatliche Förderung (z. B. die Wohnungsbauprämie) ist an strenge Bedingungen geknüpft.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Sparer schließt 2010 einen Bausparvertrag über 50.000 € mit einer monatlichen Sparrate von 200 € ab. Bis 2025 hat er 36.000 € eingezahlt und erhält ein Darlehen von 30.000 € zu einem Zinssatz von 2 %. Doch die effektive Rendite seines Sparanteils liegt bei nur 0,8 % p. a. – nach Abzug der Abschlussgebühr (1–1,6 % der Bausparsumme) und der Kontoführungsgebühren. Hätte er stattdessen 200 € monatlich in einen ETF investiert, hätte er bei einer durchschnittlichen Rendite von 6 % p. a. nach 15 Jahren über 50.000 € angespart.


## Die versteckten Kosten: Gebühren, Zinsen und Opportunitätskosten

Die größten Kostenfallen bei Bausparverträgen sind oft unsichtbar. Dazu gehören:

  1. Abschlussgebühr: Diese beträgt meist 1–1,6 % der Bausparsumme und wird direkt vom ersten Sparbeitrag abgezogen. Bei einer Bausparsumme von 50.000 € sind das 500–800 € – Geld, das sofort verloren ist.
  2. Bearbeitungsgebühren: Einige Bausparkassen erheben jährliche Kontoführungsgebühren von bis zu 30 € oder Bearbeitungsgebühren für die Zuteilung.
  3. Zinsänderungsrisiko: Die Zinsen für das Bauspardarlehen sind zwar niedrig, aber sie werden erst nach der Zuteilung festgelegt. Steigen die Marktzinsen in der Zwischenzeit, verlieren Sie die Chance auf ein günstigeres Darlehen.
  4. Opportunitätskosten: Das in den Bausparvertrag gebundene Geld könnte anderweitig genutzt werden – sei es für eine höhere Rendite, eine größere Tilgung der eigenen Hypothek oder einfach mehr Liquidität.

Eine Studie der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv, 2024) zeigt, dass über 60 % der Bausparer die tatsächlichen Kosten ihres Vertrags nicht kennen. Viele unterschätzen die Gebühren und überschätzen die staatliche Förderung. So beträgt die Wohnungsbauprämie maximal 10 % der jährlichen Sparleistung (bis zu 70 € pro Person) – ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zu den Gesamtkosten des Vertrags.

Kostenpunkt Betrag (Beispiel) Häufigkeit
Abschlussgebühr (1,2 %) 600 € Einmalig
Kontoführungsgebühr 24 €/Jahr Jährlich
Wohnungsbauprämie (max.) 70 €/Jahr Jährlich
Opportunitätskosten (entgangene Rendite) ~3.000 € (15 Jahre) Langfristig

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband (2024), "Bausparverträge – was Verbraucher wissen müssen".


## Wer profitiert wirklich vom Bausparvertrag? Drei Profile im Check

Nicht jeder Bausparvertrag ist eine schlechte Idee. Es gibt drei Gruppen, für die das Produkt sinnvoll sein kann:

  1. Familien mit konkretem Bauvorhaben in 10–15 Jahren Wenn Sie wissen, dass Sie in 10–15 Jahren eine Immobilie kaufen oder renovieren möchten, kann ein Bausparvertrag eine sichere Finanzierungsoption sein. Die staatliche Förderung (Wohnungsbauprämie und ggf. Arbeitnehmersparzulage) macht ihn attraktiv – vorausgesetzt, die Gebühren sind niedrig und die Zinsen für das Darlehen sind tatsächlich günstiger als ein Bankkredit.

  2. Haushalte mit hohem Steuersatz und langfristigem Sparziel Für Gutverdiener kann die Kombination aus Wohnungsbauprämie und steuerlichen Vorteilen (z. B. bei der Einkommensteuer) den Bausparvertrag interessant machen. Allerdings lohnt sich das nur, wenn die effektive Rendite nach Steuern höher ist als bei anderen Anlagen.

  3. Personen, die keine andere Finanzierungsmöglichkeit haben In seltenen Fällen kann ein Bausparvertrag die einzige Option sein, um an ein zinsgünstiges Darlehen zu kommen – etwa wenn die Bonität für einen Bankkredit nicht ausreicht. Doch auch hier sollten Sie die Konditionen genau prüfen und Alternativen wie ein Forward-Darlehen oder eine KfW-Förderung in Betracht ziehen.

Für wen lohnt es sich NICHT? - Junge Sparer ohne konkretes Bauvorhaben. - Haushalte, die Flexibilität benötigen (z. B. wegen Jobwechsel oder Familienplanung). - Anleger, die eine höhere Rendite anstreben (z. B. durch ETFs oder Immobilienfonds).


## Alternativen zum Bausparvertrag: Was wirklich mehr bringt

Wenn Sie nach einer sicheren und renditeträchtigen Alternative zum Bausparvertrag suchen, haben Sie mehrere Optionen:

  1. ETF-Sparplan auf den MSCI World Ein breit gestreuter ETF bietet langfristig eine höhere Rendite (historisch ~7 % p. a.) und ist flexibel. Sie können jederzeit verkaufen oder die Sparrate anpassen. Zudem fallen keine Abschlussgebühren an.

  2. Tagesgeldkonto oder Festgeld Für kurzfristige Sparziele (z. B. in 3–5 Jahren) sind Tagesgeldkonten mit Zinsen von bis zu 4 % p. a. eine sichere und flexible Alternative. Festgeld bietet noch höhere Zinsen, ist aber weniger liquide.

  3. Riester-Bausparen Die Kombination aus staatlicher Förderung (Riester-Zulage) und Bausparvertrag kann für Familien mit Kindern interessant sein. Allerdings sind die Konditionen oft schlechter als bei einem klassischen Bausparvertrag, und die Flexibilität ist eingeschränkt.

  4. Tilgung der eigenen Hypothek Wenn Sie bereits eine Immobilie besitzen, kann es sinnvoller sein, die monatliche Sparrate direkt in die Tilgung Ihrer Hypothek zu stecken. Dadurch sparen Sie Zinsen und verkürzen die Laufzeit Ihres Kredits – ein Effekt, der oft höher ist als die Rendite eines Bausparvertrags.

Ein Vergleich der Optionen zeigt: Nur in wenigen Fällen ist der Bausparvertrag die beste Wahl. Für die meisten Sparer sind ETFs, Tagesgeld oder die Tilgung der eigenen Hypothek die rentableren und flexibleren Alternativen.


## Steuerfalle Bausparvertrag: Wie die Förderung zum Bumerang wird

Die staatliche Förderung ist einer der Hauptgründe, warum viele Deutsche einen Bausparvertrag abschließen. Doch die Wohnungsbauprämie und die Arbeitnehmersparzulage können schnell zur Steuerfalle werden:

  1. Wohnungsbauprämie Die Prämie beträgt maximal 10 % der jährlichen Sparleistung (bis zu 70 € pro Person). Doch um sie zu erhalten, müssen Sie das Geld mindestens 7 Jahre im Vertrag lassen. Zudem ist die Prämie steuerpflichtig – sie wird als Einkommen versteuert, was die effektive Rendite weiter schmälert.

  2. Arbeitnehmersparzulage Diese Zulage (bis zu 43 € pro Jahr) gibt es nur für Haushalte mit niedrigem bis mittlerem Einkommen. Doch auch hier gilt: Das Geld muss langfristig gebunden bleiben, und die Zulage wird erst nach der Zuteilung ausgezahlt – oft erst nach 10 Jahren.

  3. Steuerliche Behandlung des Darlehens Die Zinsen für das Bauspardarlehen sind zwar niedrig, aber sie sind nicht steuerlich absetzbar – im Gegensatz zu den Zinsen einer klassischen Hypothek. Das macht den Bausparvertrag für Selbstnutzer unattraktiv.

Ein Beispiel: Ein Ehepaar mit einem zu versteuernden Einkommen von 50.000 € erhält jährlich 140 € Wohnungsbauprämie (70 € pro Person). Nach 10 Jahren sind das 1.400 € – doch die effektive Rendite des Vertrags liegt bei nur 0,5 % p. a. nach Abzug aller Kosten. Hätten sie das Geld stattdessen in einen ETF investiert, hätten sie bei einer Rendite von 6 % p. a. über 8.000 € mehr gehabt.


## Checkliste: So prüfen Sie, ob ein Bausparvertrag für Sie passt

Bevor Sie einen Bausparvertrag abschließen, sollten Sie folgende Punkte prüfen:

Haben Sie ein konkretes Bau- oder Renovierungsvorhaben in den nächsten 10–15 Jahren? Wenn nicht, ist der Vertrag wahrscheinlich unnötig.

Sind die Gebühren niedrig? Vergleichen Sie die Abschlussgebühr (max. 1 %) und die Kontoführungsgebühren (max. 24 €/Jahr).

Ist die Verzinsung des Guthabens höher als bei einem Tagesgeldkonto? Aktuell liegen die Zinsen für Bausparverträge oft unter 1 % p. a. – Tagesgeld bietet bis zu 4 %.

Können Sie die staatliche Förderung (Wohnungsbauprämie) wirklich nutzen? Prüfen Sie, ob Ihr Einkommen unter der Grenze für die Prämie liegt (max. 25.600 € für Singles, 51.200 € für Verheiratete).

Haben Sie Alternativen geprüft? Vergleichen Sie die Rendite und Flexibilität eines ETF-Sparplans, eines Tagesgeldkontos oder der Tilgung Ihrer Hypothek.

Vermeiden Sie Bausparverträge, wenn: - Sie jung sind und noch keine konkreten Pläne für eine Immobilie haben. - Sie Flexibilität benötigen (z. B. wegen Jobwechsel oder Familienplanung). - Sie eine höhere Rendite anstreben (z. B. durch ETFs oder Immobilienfonds).


## FAQ: Die wichtigsten Fragen zum Bausparvertrag

Kann ich einen Bausparvertrag vorzeitig kündigen? Ja, aber meist mit hohen Kosten. Die meisten Verträge sehen vor, dass Sie das Guthaben erst nach der Zuteilung (nach 7–10 Jahren) ohne Verluste kündigen können. Eine vorzeitige Kündigung führt oft zu Verlusten durch Gebühren und entgangene Zinsen.

Ist die Wohnungsbauprämie wirklich steuerfrei? Nein. Die Prämie wird als Einkommen versteuert und mindert so die effektive Rendite. Zudem müssen Sie das Geld mindestens 7 Jahre im Vertrag lassen, um die Prämie zu erhalten.

Kann ich den Bausparvertrag für die Altersvorsorge nutzen? Nein. Bausparverträge sind kein Instrument der Altersvorsorge, sondern ein Finanzierungsprodukt für den Immobilienkauf. Für die Altersvorsorge sind Produkte wie die Riester-Rente oder betriebliche Altersvorsorge besser geeignet.

Was passiert, wenn ich das Darlehen nicht nutze? Wenn Sie das zinsgünstige Darlehen nicht in Anspruch nehmen, bleibt der Vertrag als reiner Sparvertrag bestehen – mit den oben genannten Nachteilen (niedrige Rendite, lange Bindung).


Quellen
  • Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). (2024). Bausparverträge – was Verbraucher wissen müssen. Abgerufen von [https://www.verbraucherzentrale.de]
  • BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht). (2023). Verbraucherhinweise zu Bausparverträgen. Abgerufen von (/DE/Aufsicht/BankenFinanzdienstleister/Bausparkassen/bausparkassen_node.html)
  • Bundesministerium der Finanzen. (2024). Wohnungsbauprämie: Voraussetzungen und Höhe. Abgerufen von
  • Deutsche Bundesbank. (2026). Durchschnittszinssätze für Wohnungsbaukredite. Abgerufen von
  • Stiftung Warentest. (2025). Bausparverträge im Test: Rendite und Kosten im Vergleich. Abgerufen von https://www.test.de

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