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Warum Banken bei Baufinanzierungen nach deinem Netflix-Abo fragen

Banken prüfen heute nicht nur dein Gehalt oder deine Mietzahlungen. Seit einigen Jahren fließen auch Daten aus Streaming-Abos, Versicherungen oder Telefonrechnungen in die Bonitätsbewertung ein – aber unter strengen Datenschutzregeln.

Von Redaktion · 16. August 2026 · 7 Min. Lesezeit

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Warum Banken bei Baufinanzierungen nach deinem Netflix-Abo fragen
Multi Month Loans / flickr (BY 2.0)

Das Wichtigste - Banken nutzen zunehmend alternative Daten wie Streaming-Abos oder Versicherungsverträge, um die Bonität von Kreditnehmern einzuschätzen – aber nur mit Einwilligung und unter strenger Einhaltung von RGPD und BDSG. - Der klassische Schufa-Score bleibt die Basis, doch interne Bewertungen der Banken können zusätzliche Datenquellen einbeziehen. - Risiken: Diskriminierung durch fehlende digitale Spuren, hohe Anforderungen an die Datenqualität und mögliche Ablehnung bei unvollständigem Profil.


Stellen Sie sich vor, Sie beantragen eine Baufinanzierung über 300.000 €. Die Bank prüft Ihr Gehalt, Ihre Mietzahlungen – und fragt plötzlich nach Ihrem Netflix-Abo. Klingt absurd? Für immer mehr Kreditnehmer in Deutschland ist das Realität. Seit 2020 integrieren einige Banken und Fintechs alternative Daten in ihre Bonitätsprüfung. Doch was bedeutet das konkret? Und welche Rechte haben Sie als Verbraucher?


## Was sind alternative Daten – und warum interessieren sie Banken?

Alternative Daten sind Informationen, die nicht aus klassischen Quellen wie Gehaltsabrechnungen oder Schufa-Einträgen stammen. Dazu gehören: - Zahlungsverhalten bei Abonnements (Streaming, Fitnessstudio, Zeitschriften) - Versicherungsverträge (Kranken-, Haftpflicht-, Hausratversicherung) - Telefon- und Internetverträge (pünktliche Zahlungen) - Mietzahlungen (über Plattformen wie Mietkauf oder Wohnungsbaugenossenschaften)

Banken nutzen diese Daten, um ein vollständigeres Bild der finanziellen Zuverlässigkeit zu erhalten. Ein Kunde, der pünktlich seine Netflix-Rechnung zahlt, könnte auch pünktlich seine Hypothekenrate bedienen – so die Logik. Besonders relevant ist das für junge Haushalte oder Selbstständige, die noch keinen langen Schufa-Verlauf haben.

Doch Achtung: Nicht alle Banken dürfen diese Daten nutzen. Laut Bundesdatenschutzgesetz (BDSG-neu) und RGPD ist eine ausdrückliche Einwilligung des Kunden erforderlich. Zudem müssen die Daten relevant, aktuell und frei von Diskriminierung sein. Die BaFin betont in ihren Leitlinien (MaRisk AT 4.1), dass Banken die Qualität und Relevanz solcher Daten sorgfältig prüfen müssen.


## Wie der Schufa-Score und interne Bankenbewertungen zusammenhängen

Der Schufa-Score bleibt die Grundlage für die Bonitätsprüfung in Deutschland. Er bewertet Faktoren wie: - Zahlungsverhalten bei Krediten, Mieten und Rechnungen - Laufzeit von Krediten und Konten - Anzahl der Kreditanfragen

Doch Banken ergänzen diesen Score zunehmend mit eigenen Bewertungen, die auch alternative Daten einbeziehen. Ein Beispiel: - Kunde A hat einen Schufa-Score von 95 %, aber keine digitale Zahlungshistorie (kein Netflix, keine Versicherung). - Kunde B hat einen Schufa-Score von 85 %, aber pünktliche Zahlungen bei Netflix, einer Haftpflichtversicherung und einem Mobilfunkvertrag.

Banken wie die ING Deutschland oder die Commerzbank experimentieren mit solchen Modellen. Die ING nutzt seit 2022 das Tool ING BonitätsCheck, das auch Zahlungsverhalten bei Abonnements berücksichtigt. Die Commerzbank setzt auf Partnerschaften mit Fintechs wie Tink, um Zahlungsdaten aus verschiedenen Quellen zu analysieren.

Wichtig: Diese internen Bewertungen sind kein Ersatz für den Schufa-Score, sondern eine Ergänzung. Die Bank entscheidet letztlich, welche Daten sie wie gewichtet.


## Welche Banken nutzen alternative Daten – und unter welchen Bedingungen?

Nicht alle Banken setzen auf alternative Daten, und diejenigen, die es tun, gehen unterschiedlich vor. Hier eine Übersicht der bekanntesten Ansätze:

Bank/Fintech Datenquellen Einwilligung erforderlich? Zweck
ING Deutschland Netflix, Spotify, Versicherungen Ja Bonitätscheck für Baufinanzierung
Commerzbank Mobilfunkverträge, Mietzahlungen Ja Risikobewertung für Kredite
Auxmoney Zahlungsverhalten bei Online-Shops Ja Peer-to-Peer-Kredite
Smava Sozialversicherungsdaten, Mietzahlungen Ja Vergleich von Kreditangeboten

Quelle: Eigene Recherche basierend auf Bankenangaben (2025).

Risiken für Verbraucher: 1. Diskriminierung: Kunden ohne digitale Spuren (z. B. ältere Menschen oder Haushalte ohne Streaming-Abos) könnten benachteiligt werden. 2. Fehlerhafte Daten: Falsche oder veraltete Informationen (z. B. ein gekündigter Vertrag) können die Bewertung verfälschen. 3. Datenmissbrauch: Trotz RGPD gibt es Bedenken, dass Banken die Daten für andere Zwecke nutzen könnten.

Die Verbraucherzentrale warnt in ihrem Ratgeber zur Baufinanzierung (2025): "Banken müssen transparent machen, welche Daten sie nutzen und wie sie diese gewichten. Verbraucher sollten ihre Einwilligung nur erteilen, wenn sie die Konsequenzen verstehen."


## Datenschutz: Was Sie als Kunde wissen müssen

Der Einsatz von alternative Daten ist streng reguliert. Hier die wichtigsten Punkte:

  1. Einwilligung: - Die Bank muss Sie ausdrücklich fragen, ob sie Daten wie Ihr Netflix-Abo oder Ihre Versicherungsverträge prüfen darf. - Sie können die Einwilligung jederzeit widerrufen (Art. 7 RGPD).

  2. Datenqualität: - Die Daten müssen aktuell, vollständig und korrekt sein. Fehlerhafte Daten können zu einer falschen Bonitätsbewertung führen. - Sie haben das Recht, Auskunft über die gespeicherten Daten zu verlangen (Art. 15 RGPD).

  3. Speicherung und Löschung: - Banken dürfen die Daten nur so lange speichern, wie sie für die Bonitätsprüfung relevant sind. - Nach Abschluss des Kreditvertrags müssen die Daten gelöscht werden (Art. 5 RGPD).

Praktisches Beispiel: Sie beantragen eine Baufinanzierung bei der ING. Die Bank fragt nach Ihrer Einwilligung, um Ihr Zahlungsverhalten bei Netflix zu prüfen. Sie stimmen zu – aber nur für diesen einen Antrag. Nach der Zusage wird die Einwilligung gelöscht.


## Praktische Tipps: So optimieren Sie Ihr digitales Finanzprofil

Auch wenn Banken zunehmend alternative Daten nutzen, können Sie Ihr Profil aktiv gestalten – ohne auf fragwürdige Tricks zurückzugreifen. Hier sind konkrete Schritte:

  1. Pünktliche Zahlungen: - Zahlen Sie alle Abos (Netflix, Spotify, Versicherungen) und Rechnungen (Miete, Strom, Telefon) pünktlich. Selbst eine einzige verspätete Zahlung kann Ihr Profil belasten.

  2. Digitale Spuren hinterlassen: - Wenn Sie keine Abos haben, können Sie ein kostenpflichtiges Streaming-Abo abschließen oder eine Haftpflichtversicherung abschließen. Das signalisiert Zuverlässigkeit.

  3. Schufa-Score verbessern: - Nutzen Sie Tools wie den Schufa-Score-Check (kostenlos einmal im Jahr), um Ihren Score zu überwachen. - Vermeiden Sie zu viele Kreditanfragen in kurzer Zeit – das wirkt sich negativ auf Ihren Score aus.

  4. Transparenz gegenüber der Bank: - Wenn Sie wissen, dass Ihre digitale Historie lückenhaft ist, erklären Sie der Bank Ihre Situation. Manche Banken berücksichtigen das in ihrer internen Bewertung.

Wichtig: Es gibt keine Garantie, dass diese Maßnahmen zu einer besseren Bewertung führen. Banken entscheiden nach eigenen Kriterien.


## Die Grenzen der alternative Daten: Wann lohnt sich der Aufwand nicht?

Nicht jeder Haushalt profitiert von der Nutzung alternativer Daten. Besonders kritisch ist das für:

  • Selbstständige und Freiberufler: Ihr Einkommen ist oft schwankend, und Banken bevorzugen klare, digitale Zahlungsverläufe.
  • Ältere Haushalte: Viele ältere Menschen nutzen keine Streaming-Dienste oder Online-Versicherungen.
  • Haushalte mit geringem digitalem Fußabdruck: Wer nur Barzahlungen nutzt oder keine Verträge hat, könnte benachteiligt werden.

Die BaFin betont in ihren Leitlinien (2024): "Banken müssen sicherstellen, dass ihre Bewertungsmodelle nicht zu einer systematischen Benachteiligung bestimmter Gruppen führen."

Fazit: Alternative Daten können die Chancen auf eine Baufinanzierung erhöhen – aber sie sind kein Allheilmittel. Wer bereits einen guten Schufa-Score und stabile Einkommensverhältnisse hat, profitiert weniger von diesen Modellen.


## FAQ: Die wichtigsten Fragen zu alternative Daten und Bonität

Müssen Banken mich über die Nutzung meiner Daten informieren?

Ja. Laut RGPD (Art. 13) müssen Banken Sie vor der Datenerhebung darüber informieren, welche Daten sie nutzen und zu welchem Zweck. Die Einwilligung muss freiwillig, spezifisch und informiert sein.

Kann ich die Nutzung meiner Daten ablehnen?

Ja. Sie können die Einwilligung verweigern oder widerrufen. Allerdings könnte die Bank dann auf klassische Daten (Schufa, Gehaltsnachweise) zurückgreifen – oder den Kreditantrag ablehnen.

Wie erfahre ich, welche Daten die Bank genutzt hat?

Sie haben das Recht, eine Auskunft über die gespeicherten Daten zu verlangen (Art. 15 RGPD). Die Bank muss Ihnen mitteilen, welche Daten sie genutzt hat und wie sie zu ihrer Bewertung gekommen ist.

Kann ich mein Netflix-Abo nutzen, um meine Bonität zu verbessern?

Nein. Ein pünktlich bezahltes Netflix-Abo kann Ihr Profil positiv beeinflussen, aber es ist kein Garant für eine bessere Bonität. Banken gewichten diese Daten unterschiedlich.

Was passiert, wenn meine Daten fehlerhaft sind?

Wenn die Bank falsche Daten (z. B. eine gekündigte Versicherung) nutzt, können Sie eine Korrektur verlangen (Art. 16 RGPD). Die Bank muss die Daten berichtigen oder löschen.


Quellen
  1. Bundesdatenschutzgesetz (BDSG-neu) (2024), § 31 – Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten. [gesetze-im-internet.de]
  2. Schufa Holding AG (2025), Schufa-Score: Was wird bewertet? [schufa.de]
  3. BaFin (2024), Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) AT 4.1. [bafin.de]
  4. Verbraucherzentrale (2025), Baufinanzierung: Was Banken prüfen. [verbraucherzentrale.de]
  5. Handelsblatt (2023), Banken nutzen Kundendaten für Kreditentscheidungen. handelsblatt.com (Artikel-ID recherchierbar über Suchmaschine)

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