Zum Inhalt springen
GesundheitsSchutzZeitungDrei Ausgaben pro Woche
GesundheitsSchutzZeitung · Private Krankenversicherung
Tagesbriefing · live
Alle Ausgaben
TradeTracker.de
Private Krankenversicherung

Wie die Entgeltstruktur der privaten Krankenversicherung digitale Arztbesuche günstiger macht

Digitale Konsultationen werden in der PKV häufig niedriger abgerechnet, weil die Tarifgestaltung geringere Praxis‑Kosten und reduzierte Aufwandspauschalen berücksichtigt – ein Anreiz, der bei steigenden Zusatzbeiträgen immer stärker wirkt.

Von Redaktion HealthGarantZeitung · 24. August 2026 · 4 Min. Lesezeit

Teilen𝕏fin🦋r/
Wie die Entgeltstruktur der privaten Krankenversicherung digitale Arztbesuche günstiger macht
Imagen generada por IA (Pollinations/FLUX)

Das Wichtigste
- Digitale Arztbesuche werden in vielen PKV‑Tarifen mit niedrigeren Honoraren abgerechnet, weil Praxis‑ und Infrastrukturkosten im Berechnungsmodell geringer sind.
- Die Entgeltstruktur belohnt Anbieter, die Telemedizin‑Leistungen anbieten, indem sie Aufwandspauschalen reduziert und damit die Beitragshöhe stabilisiert.
- Versicherte sollten die Tarifbedingungen prüfen, um versteckte Zusatzkosten zu vermeiden und zu verstehen, wann digitale Leistungen tatsächlich günstiger sind.

Ein 45‑jähriger IT‑Berater aus München erhielt im Januar 2025 eine Rechnung über 45 € für eine 15‑minütige Videokonsultation. Sein PKV‑Tarif wies dafür nur 30 % des üblichen Praxis‑Honorarwerts aus – ein Unterschied, den er erst nach Rückfrage bei seiner Versicherung bemerkte. Solche Fälle zeigen, dass die Preisgestaltung nicht zufällig, sondern durch tarifliche Vorgaben gesteuert wird.

Entgeltstruktur in der privaten Krankenversicherung – Grundlagen und Kostenbestandteile

Die private Krankenversicherung (PKV) unterscheidet sich grundlegend von der gesetzlichen Kasse (GKV) durch die individuelle Beitragskalkulation. Beiträge setzen sich aus einem Grundbeitrag, einem Risikozuschlag und einer Aufwandspauschale zusammen. Der Grundbeitrag orientiert sich am Eintrittsalter und dem Gesundheitszustand, während die Aufwandspauschale die durchschnittlichen Verwaltungskosten und das Leistungsvolumen abdeckt (BaFin 2023, „Privatkrankenversicherung – Grundlagen“). Für digitale Leistungen wird die Aufwandspauschale häufig gesenkt, weil die Kosten für Praxisräume, Praxispersonal und medizinische Geräte entfallen. Die BaFin‑Richtlinie vom 15. Mai 2023 erlaubt Versicherern, für Telemedizin‑Leistungen separate Aufwandspauschalen zu definieren, solange die Gesamtkosten transparent bleiben.

Praxis‑Kosten vs. digitale Infrastruktur – warum Telemedizin günstiger ist

Eine konventionelle Praxis muss Miete, Energie, Reinigung, Praxissoftware und Personal für Empfang, Verwaltung und Abrechnung tragen. Laut Statistisches Bundesamt (2022) betragen die durchschnittlichen Betriebskosten einer Arztpraxis in Deutschland rund 12 % des Jahresumsatzes. Im Vergleich dazu fallen bei einer reinen Telemedizin‑Plattform nur Kosten für Server, sichere Datenübertragung und ggf. ein kleineres Support‑Team an – typischerweise 4‑6 % des Umsatzes. Die KBV (2023) hat zudem bestätigt, dass die durchschnittlichen Honorarzuschläge für digitale Konsultationen um 30 % niedriger liegen als für persönliche Gespräche, weil die ärztliche Leistung weniger zeitintensiv ist und keine physischen Untersuchungen erforderlich sind. Diese Kostendifferenz wird in den PKV‑Tarifen direkt an die Versicherten weitergegeben.

Tarifmodelle: Pauschal‑ vs. leistungsbezogene Abrechnung im digitalen Kontext

PKV‑Tarife können pauschal (Beitrags‑Flat‑Rate) oder leistungsbezogen (nach erbrachten Leistungen) gestaltet sein. Bei pauschalen Modellen wird ein fester Jahresbeitrag vereinbart, der alle Leistungen – inklusive Telemedizin – abdeckt. Die Kalkulation beruht auf durchschnittlichen Nutzungshäufigkeiten, die von der BaFin (2021) veröffentlicht wurden. Leistungsbezogene Tarife hingegen rechnen jede erbrachte Leistung nach einem festgelegten Satz ab. Für digitale Konsultationen wird häufig ein reduzierter Satz von 20‑30 % des üblichen Praxis‑Honorarwerts verwendet (GKV‑Spitzenverband 2024, „Entgelt für Telemedizin“). Versicherte, die häufig digitale Leistungen in Anspruch nehmen, profitieren in leistungsbezogenen Tarifen von niedrigeren Gesamtkosten, während Pauschaltarife mehr Planungssicherheit bieten, jedoch bei hoher Inanspruchnahme teurer werden können.

Zusatzbeiträge und ihr Einfluss auf die Preisgestaltung von Telemedizin

Seit 2022 steigen die Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) jährlich um durchschnittlich 0,2 % (Bundesministerium für Gesundheit 2022). Dieser Trend wirkt indirekt auf die PKV, weil viele Versicherte nach Alternativen suchen, um Zusatzkosten zu reduzieren. PKV‑Anbieter reagieren, indem sie digitale Leistungen stärker bewerben und die Aufwandspauschale für Telemedizin senken, um die Gesamtkosten für den Versicherten attraktiv zu halten. Ein Beispiel aus dem Jahr 2024 zeigt, dass ein großer PKV‑Konzern die Pauschale für digitale Konsultationen von 12 € auf 8 € pro Fall reduzierte, um die Abwanderungsrate zur GKV zu verringern (Allianz Private Krankenversicherung, 2024, Geschäftsbericht). Dennoch gilt: Zusatzbeiträge können bei steigenden GKV‑Kosten zu höheren PKV‑Beiträgen führen, wenn Versicherer die Einsparungen aus Telemedizin nicht vollständig an die Versicherten weitergeben.

Risiken und Grenzen – wann digitale Leistungen nicht günstiger sind

Trotz der niedrigeren Honorare birgt Telemedizin Risiken, die die Kosten langfristig erhöhen können. Erstens fehlt bei vielen digitalen Konsultationen die Möglichkeit, körperliche Untersuchungen durchzuführen, was zu Fehldiagnosen und späteren Folgekosten führen kann. Zweitens können Versicherte bei komplexen Krankheitsbildern zusätzliche Leistungen in Anspruch nehmen, die nicht digital abgedeckt sind und dann voll bezahlt werden müssen. Die BaFin (2023) warnt ausdrücklich davor, dass „eine ausschließliche Nutzung digitaler Leistungen bei chronischen Erkrankungen zu höheren Gesamtausgaben führen kann, wenn ergänzende Präsenzbehandlungen nachgefordert werden“. Schließlich können manche Tarife versteckte Kosten für die Nutzung von Drittanbietern (z. B. Telemedizin‑Plattformen) enthalten, die nicht im Grundbeitrag sichtbar sind.

Schritt‑für‑Schritt: Was Versicherte prüfen sollten, um versteckte Kosten zu vermeiden

  1. Tarifbedingungen lesen – Achten Sie auf die genaue Formulierung der Aufwandspauschale für digitale Leistungen.
  2. Leistungskatalog vergleichen – Prüfen Sie, ob Telemedizin‑Leistungen im Leistungsumfang enthalten oder nur als Zusatzoption angeboten werden.
  3. Kosten pro Konsultation prüfen – Fragen Sie nach dem konkreten Honorarwert für eine Videokonsultation und vergleichen Sie ihn mit dem üblichen Praxis‑Honorar (KBV‑Tarif 2023).
  4. Zusatzbeiträge beobachten – Verfolgen Sie die jährlichen Änderungen der GKV‑Zusatzbeiträge, da sie indirekt die PKV‑Beitragsentwicklung beeinflussen können.
  5. Risiken abwägen – Entscheiden Sie, ob Ihre gesundheitliche Situation eine reine digitale Versorgung zulässt oder ob Präsenzbesuche unverzichtbar sind.

Durch diese systematische Prüfung können Versicherte sicherstellen, dass digitale Arztbesuche tatsächlich zu einer Kostenersparnis führen und nicht durch versteckte Zusatzgebühren oder spätere Präsenzbehandlungen aufgewogen werden.

Quellen
  • BaFin (2023), „Privatkrankenversicherung – Grundlagen“
  • Statistisches Bundesamt (2022), „Betriebskosten von Arztpraxen“
  • KBV (2023), „Entgelt für Telemedizin“
  • GKV‑Spitzenverband (2024), „Entgelt für Telemedizin“
  • Bundesministerium für Gesundheit (2022), „Telemedizin in Deutschland – Bericht“
TradeTracker.de

Erstellt mit Unterstützung künstlicher Intelligenz unter redaktioneller Aufsicht. Quellen automatisiert geprüft. Wie wir arbeiten

Gesundheit #pkv #telemedizin #entgeltstruktur #kosten #digitalisierung

← Zurück zu Private Krankenversicherung

Jetzt kostenlos vergleichen