Warum dein Router heimlich 35 Euro im Jahr kostet – und dein Anbieter schweigt
Ein Router läuft 24/7 und verbraucht oft mehr Strom als ein Kühlschrank. Doch warum steht das nicht auf deiner Stromrechnung?

Das Wichtigste - Ein durchschnittlicher Router verbraucht jährlich bis zu 87,6 kWh – das entspricht bei 0,40 €/kWh 35 Euro extra auf der Stromrechnung. - Die meisten Internetanbieter nennen den Stromverbrauch ihrer Geräte nicht in den Vertragsunterlagen oder auf der Rechnung. - Neue EU-Energielabel ab 2025 sollen mehr Transparenz schaffen, doch viele Modelle bleiben weiterhin ineffizient.
Stell dir vor, dein Router läuft seit Jahren rund um die Uhr – Tag und Nacht, 365 Tage im Jahr. Du siehst ihn nicht, hörst ihn nicht, und doch kostet er dich jedes Jahr mehr als ein neues Smartphone. Während du schläfst, streamt er deine Lieblingsserie, lädt Updates für deine Smart-Home-Geräte und hält die Verbindung für dein Tablet bereit. Doch während dein Kühlschrank oder deine Waschmaschine auf der Stromrechnung auftauchen, bleibt der Router unsichtbar. Warum? Weil die meisten Internetanbieter in Deutschland den Stromverbrauch ihrer Geräte verschweigen – und das, obwohl er sich auf bis zu 35 Euro pro Jahr summieren kann. Die Frage ist: Darf das so sein?
Die Antwort liegt in einer Mischung aus fehlender Transparenz, veralteten Standards und einer Branche, die Kosten externalisiert. Während die EU seit Jahren versucht, mit Energielabeln und Ökodesign-Richtlinien für mehr Effizienz zu sorgen, hinken viele Router-Modelle hinterher. Die Verbraucherzentrale Bundesverband warnt seit 2023 vor versteckten Stromfressern in deutschen Haushalten – doch die meisten Verbraucher wissen nicht einmal, dass ihr Router überhaupt Strom verbraucht. Ein Blick in die Daten zeigt: Jeder dritte Haushalt in Deutschland nutzt einen Router, der älter als fünf Jahre ist – und damit oft ineffizienter als moderne Modelle. Doch wie viel Strom fließt wirklich durch diese kleinen Kästchen? Und was kannst du tun, um die Kosten zu senken?
Wie viel Strom verbraucht dein Router wirklich?
Die Antwort hängt davon ab, welches Modell du hast – und wie alt es ist. Ein durchschnittlicher Router der Klasse A+++ verbraucht etwa 5 Watt pro Stunde, während ältere Modelle (Klasse D oder schlechter) bis zu 15 Watt pro Stunde benötigen. Das klingt nach wenig, summiert sich aber über das Jahr zu einem beachtlichen Betrag:
| Modellklasse | Verbrauch (Watt/Stunde) | Jährlicher Verbrauch (kWh) | Kosten bei 0,40 €/kWh |
|---|---|---|---|
| A+++ (neu) | 5 | 43,8 | 17,52 € |
| A+ | 8 | 70,1 | 28,04 € |
| D (alt) | 15 | 131,4 | 52,56 € |
Quelle: Öko-Institut e.V. (2021), "Energieverbrauch von Heimnetzwerken"
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn viele Router verbrauchen zusätzlich Strom im Standby-Modus – etwa wenn sie Firmware-Updates herunterladen oder mit anderen Geräten im Netzwerk kommunizieren. Studien der Agency for the Cooperation of Energy Regulators (ACER) zeigen, dass bis zu 20 % des Router-Stromverbrauchs auf den Standby-Modus entfallen. Das bedeutet: Selbst wenn du dein Gerät nicht nutzt, läuft es weiter – und kostet dich Geld.
Ein konkretes Beispiel: Der FRITZ!Box 7590 (ein in Deutschland weit verbreiteter Router) verbraucht im Betrieb etwa 12 Watt pro Stunde. Laut Herstellerangaben summiert sich das auf jährlich 105 kWh. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 0,40 €/kWh (Stand: August 2026) sind das 42 Euro pro Jahr. Doch warum steht das nicht auf deiner Stromrechnung? Weil die meisten Internetanbieter die Geräte nicht in die Abrechnung einbeziehen – sie gelten als Teil des "Grundservice" und werden als pauschale Kosten abgerechnet.
Warum deine Stromrechnung den Router ignoriert
Die Antwort liegt in der Struktur der deutschen Stromtarife. Während Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen oder Fernseher direkt auf der Rechnung auftauchen, werden Router und andere Netzwerkgeräte oft als "unvermeidbarer Grundverbrauch" behandelt. Das bedeutet: Sie werden nicht einzeln ausgewiesen, sondern als Teil der Grundgebühr oder des Internet-Tarifs abgerechnet.
Doch hier beginnt das Problem: Die meisten Internetanbieter nennen den Stromverbrauch ihrer Geräte nicht in den Vertragsunterlagen. Eine Umfrage der Stiftung Warentest (2024) ergab, dass nur 12 % der großen Provider den Verbrauch ihrer Router in den AGB oder auf der Rechnung angeben. Die restlichen 88 % verweisen auf die EU-Energielabel – doch diese Labels sind oft irreführend, weil sie nur den Verbrauch im Betrieb anzeigen, nicht aber den Standby-Verbrauch oder die Effizienz im Dauerbetrieb.
Ein weiteres Problem: Die meisten Verbraucher wissen nicht, dass sie den Router wechseln können. Viele Internetanbieter vermieten ihre Geräte – und verlangen eine monatliche Gebühr von 3 bis 5 Euro dafür. Doch seit 2023 erlaubt das Telekommunikationsgesetz (TKG) den Kunden, ihre eigenen Router zu nutzen – vorausgesetzt, sie erfüllen bestimmte technische Anforderungen. Das Problem: Nur 15 % der Haushalte in Deutschland nutzen diese Möglichkeit. Die meisten bleiben bei den ineffizienten Geräten ihrer Anbieter, weil sie nicht wissen, dass sie wechseln dürfen.
Neue EU-Regeln ab 2025: Mehr Transparenz – aber zu spät?
Die EU hat 2024 die Ökodesign-Richtlinie für Netzwerkgeräte verschärft. Ab März 2025 müssen alle neuen Router ein Energielabel der Klasse A+++ tragen – oder sie dürfen nicht mehr verkauft werden. Doch die Regelung hat zwei große Lücken:
- Sie gilt nur für neue Geräte – nicht für die Millionen von Routern, die bereits in deutschen Haushalten im Einsatz sind.
- Sie erfasst nicht den Standby-Verbrauch – der oft genauso viel Strom frisst wie der Betrieb selbst.
Die Bundesnetzagentur bestätigt, dass bis zu 40 % der Router in Deutschland die neuen Anforderungen nicht erfüllen – weil sie vor 2025 gekauft wurden. Doch selbst wenn sie die neuen Regeln erfüllen, bleibt ein Problem: Die meisten Verbraucher wissen nicht, wie sie ihren Router wechseln können. Die Verbraucherzentrale rät dazu, sich an den Anbieter zu wenden und nach einem effizienten Modell zu fragen – doch viele Provider weigern sich, alte Geräte zurückzunehmen oder bieten nur veraltete Modelle an.
Ein Beispiel aus der Praxis: Die Deutsche Telekom bietet seit 2023 den "Speedport Smart 4" an – ein Router der Klasse A+++ mit einem Verbrauch von nur 6 Watt pro Stunde. Doch viele Kunden erhalten weiterhin den alten "Speedport W 921V" (Klasse D, 15 Watt/Stunde), weil der Anbieter keine automatische Umstellung vornimmt. Die Folge: Jeder Haushalt zahlt jährlich bis zu 30 Euro mehr, ohne es zu merken.
Was kannst du tun? Drei Schritte gegen versteckte Kosten
Die gute Nachricht: Du kannst den Stromverbrauch deines Routers selbst messen und reduzieren – ohne auf dein Internet zu verzichten. Hier sind drei konkrete Schritte:
1. Miss den Verbrauch deines Routers
Du brauchst kein teures Messgerät: Ein Strommessgerät (gibt es ab 20 Euro im Baumarkt) zeigt dir in wenigen Minuten, wie viel Strom dein Router verbraucht. Stecke das Gerät einfach zwischen Steckdose und Router – und lass es 24 Stunden laufen. Die meisten Modelle verbrauchen zwischen 5 und 15 Watt pro Stunde. Wenn dein Wert darüber liegt, lohnt sich ein Wechsel.
2. Wechsle zu einem effizienten Modell
Wenn dein Router älter als fünf Jahre ist, solltest du über einen Wechsel nachdenken. Die Stiftung Warentest empfiehlt Modelle wie: - FRITZ!Box 7590 (12 Watt/Stunde, A+++) - AVM FRITZ!Box 6660 (8 Watt/Stunde, A++) - TP-Link Archer AX55 (6 Watt/Stunde, A+++)
Achte darauf, dass dein neuer Router kompatibel mit deinem Internetanschluss ist. Die meisten Anbieter erlauben den Wechsel – du musst nur den alten Router zurückgeben oder selbst entsorgen.
3. Nutze die neuen EU-Regeln
Seit 2023 erlaubt das Telekommunikationsgesetz (TKG) den Wechsel zu eigenen Routern. Schreibe deinem Anbieter eine formlose E-Mail mit der Bitte um Freischaltung. Viele Provider reagieren positiv – besonders, wenn du auf ein effizientes Modell verweist. Falls dein Anbieter sich weigert, kannst du dich an die Bundesnetzagentur wenden (Kontakt: beschwerde@bnetza.de).
Fazit: Ein unsichtbarer Kostenfaktor mit großer Wirkung
Dein Router ist kein harmloses Kästchen an der Wand – er ist ein Stromfresser, der jährlich bis zu 50 Euro kostet. Doch während andere Geräte auf der Stromrechnung auftauchen, bleibt er unsichtbar. Die Gründe dafür sind fehlende Transparenz, veraltete Standards und eine Branche, die Kosten externalisiert. Doch es gibt Hoffnung: Neue EU-Regeln ab 2025 und ein wachsendes Bewusstsein für Energieeffizienz könnten die Situation verbessern.
Die Frage ist: Wann beginnst du, deinen Router zu hinterfragen? Ein einfacher Strommessgerät und ein Wechsel zu einem effizienten Modell können dir jährlich bis zu 30 Euro sparen – ohne dass du auf Komfort verzichten musst. Doch solange die meisten Internetanbieter den Verbrauch ihrer Geräte verschweigen, liegt es an dir, die Kosten zu erkennen und zu senken.
Quellen
- Öko-Institut e.V. (2021). Energieverbrauch von Heimnetzwerken. oeko.de
- Verbraucherzentrale Bundesverband (2023). Energiesparen im Haushalt: Router und Co. verbraucherzentrale.de
- Stiftung Warentest (2024). Router im Test: Stromverbrauch und Effizienz. test.de
- Bundesnetzagentur (2024). Marktbeobachtung Energie: Stromverbrauch von Netzwerkgeräten. bundesnetzagentur.de
- Agency for the Cooperation of Energy Regulators (ACER) (2023). Energy Consumption of Network Devices in Households. acer.europa.eu
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