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Warum Ökostrom-Tarife oft teurer sind – und wie Sie echten grünen Strom erkennen

Ein Ökostrom-Tarif für 28 Cent/kWh klingt nachhaltig – doch oft stecken nur billige CO₂-Zertifikate dahinter. Wir zeigen, wo die versteckten Kosten liegen und wie Sie echte Ökostrom-Anbieter finden.

Von Redaktion · 15. August 2026 · 8 Min. Lesezeit

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Warum Ökostrom-Tarife oft teurer sind – und wie Sie echten grünen Strom erkennen
eflon / flickr (BY 2.0)

Das Wichtigste - Ökostrom-Tarife kosten im Schnitt 20–30 % mehr als Graustrom, doch nicht jeder Anbieter hält seine Nachhaltigkeitsversprechen ein. - Hinter günstigen Ökostrom-Angeboten stecken oft CO₂-Zertifikate aus Wasserkraftwerken in Norwegen oder Schweden – ohne direkten Einfluss auf die deutsche Energiewende. - Echte Ökostrom-Anbieter investieren in regionale erneuerbare Energien und sind mit unabhängigen Siegeln wie OK-Power oder Grüner Strom zertifiziert.


Stellen Sie sich vor, Sie wechseln zu einem Ökostrom-Anbieter, weil Sie die Umwelt schonen wollen – und zahlen plötzlich 30 % mehr auf Ihrer Stromrechnung. Doch wo landet das Geld wirklich? Die Antwort ist ernüchternd: Nicht immer fließt es in neue Windräder oder Solaranlagen in Ihrer Region. Stattdessen kaufen viele Anbieter günstige Herkunftsnachweise (CO₂-Zertifikate) aus Wasserkraftwerken in Skandinavien, die kaum Einfluss auf die deutsche Energiewende haben. Doch wie erkennen Sie solche Tarife – und gibt es überhaupt echten Ökostrom zu fairen Preisen?

Die Verbraucherzentrale warnt seit Jahren vor dieser Praxis. In einer aktuellen Untersuchung aus dem Jahr 2025 stellte sie fest, dass über 40 % der als „Ökostrom“ beworbenen Tarife in Deutschland keine zusätzlichen erneuerbaren Energien in das Netz einspeisen. Stattdessen kompensieren sie lediglich CO₂-Emissionen durch den Kauf von Zertifikaten – ein System, das zwar die Bilanz des Anbieters verbessert, aber keine neue grüne Energie erzeugt. Ein Beispiel: Der Anbieter LichtBlick wirbt mit einem Ökostrom-Tarif für 29,90 Cent/kWh, während Tchibo Strom einen ähnlichen Tarif für 27,50 Cent/kWh anbietet. Doch während LichtBlick in eigene Windparks investiert, kauft Tchibo einen Großteil seiner Zertifikate aus Norwegen – wo die Energie ohnehin schon grün ist.


Was macht Ökostrom teurer – und wer profitiert davon?

Der Preisunterschied zwischen Ökostrom und Graustrom lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Zum einen entstehen höhere Beschaffungskosten für die Anbieter: Echte Ökostrom-Anbieter müssen langfristige Verträge mit regionalen Erzeugern abschließen, die oft höhere Preise verlangen als konventionelle Kraftwerke. Zum anderen fallen Kosten für Zertifizierungen an – etwa für das OK-Power-Siegel, das strenge Kriterien an die Herkunft des Stroms stellt. Doch nicht alle Anbieter gehen diesen Weg.

Ein Blick auf die Preisspanne zeigt: Während ein Graustrom-Tarif im Schnitt 22–25 Cent/kWh kostet, liegen Ökostrom-Tarife zwischen 26 und 35 Cent/kWh. Die Differenz von 4–10 Cent/kWh mag auf den ersten Blick moderat wirken, summiert sich aber auf bis zu 150 € pro Jahr für einen durchschnittlichen Haushalt (3.500 kWh/Jahr). Doch wohin fließt dieses Geld? Laut einer Studie der Bundesnetzagentur (2024) geben nur 15 % der Ökostrom-Anbieter an, in neue erneuerbare Energien zu investieren. Der Rest nutzt die Einnahmen für Marketing oder kauft Zertifikate im Ausland.

Ein besonders umstrittenes Modell ist das der Graustrom-Anbieter mit Kompensation. Unternehmen wie Vattenfall oder E.ON bieten Tarife an, bei denen der Strom selbst aus Kohle- oder Gaskraftwerken stammt, aber durch den Kauf von CO₂-Zertifikaten „neutralisiert“ wird. Der Vorteil für den Anbieter: Die Zertifikate sind günstig, und der Kunde zahlt einen Aufpreis von nur 1–3 Cent/kWh. Doch ökologisch bringt das kaum etwas – denn die Emissionen entstehen trotzdem.


Echte Ökostrom-Anbieter: Woran Sie sie erkennen

Nicht jeder Anbieter, der „Ökostrom“ auf die Rechnung schreibt, hält auch, was er verspricht. Doch es gibt klare Kriterien, um echte Nachhaltigkeit von Marketingtricks zu unterscheiden. Der erste Schritt ist die Prüfung der Zertifizierung. Unabhängige Siegel wie OK-Power, Grüner Strom oder EcoTopTen garantieren, dass der Anbieter mindestens 50 % seines Stroms aus erneuerbaren Energien bezieht und in neue Anlagen investiert. Anbieter ohne solche Siegel sollten Sie kritisch hinterfragen.

Ein weiteres Indiz für echten Ökostrom ist die Transparenz über die Herkunft. Seriöse Anbieter nennen auf ihrer Website konkrete Kraftwerke oder Regionen, aus denen der Strom stammt – etwa ein Windpark in Brandenburg oder eine Solaranlage in Bayern. Anbieter wie Naturstrom oder Greenpeace Energy listen ihre Erzeuger sogar online auf. Im Gegensatz dazu werben Discounter wie DiscounterStrom oder Stromio oft mit vagen Formulierungen wie „100 % Ökostrom“ – ohne nachweisbare Investitionen in neue Anlagen.

Doch selbst bei zertifizierten Anbietern gibt es Unterschiede. Die Umweltorganisation WWF hat in einer Studie (2025) herausgefunden, dass einige Ökostrom-Tarife zwar zertifiziert sind, aber nur 20–30 % des Stroms tatsächlich aus neuen Anlagen stammen. Der Rest wird aus bestehenden Wasserkraftwerken bezogen – eine Praxis, die zwar die CO₂-Bilanz verbessert, aber keine zusätzliche grüne Energie erzeugt. Wer wirklich etwas bewegen will, sollte nach Anbietern suchen, die mindestens 50 % ihres Stroms aus Anlagen beziehen, die nicht älter als 10 Jahre sind.


Die versteckten Kosten: Warum manche Ökostrom-Tarife teurer sind als nötig

Ein häufiges Missverständnis ist, dass Ökostrom automatisch teurer sein muss. Doch das stimmt nicht immer. Die Preisdifferenz hängt stark davon ab, wie der Anbieter seine Ökostrom-Zertifikate beschafft. Während einige Anbieter auf teure, aber regionale Zertifikate setzen, kaufen andere günstige CO₂-Zertifikate aus dem Ausland – ein System, das zwar legal, aber ökologisch fragwürdig ist.

Ein Beispiel: Der Anbieter Lumenaza wirbt mit einem Ökostrom-Tarif für 28,90 Cent/kWh, während Octopus Energy einen ähnlichen Tarif für 25,50 Cent/kWh anbietet. Der Unterschied liegt in der Beschaffung: Lumenaza kauft seine Zertifikate aus deutschen Windparks, während Octopus Energy auf norwegische Wasserkraft setzt. Doch während die norwegischen Zertifikate nur 0,5 Cent/kWh kosten, liegen die deutschen Zertifikate bei 3–4 Cent/kWh. Für den Kunden bedeutet das: Er zahlt mehr, aber der ökologische Nutzen ist geringer.

Ein weiteres Problem sind dynamische Tarife, die Ökostrom-Anbieter oft als „besonders günstig“ bewerben. Doch hier gilt: Nicht jeder dynamische Tarif ist automatisch nachhaltig. Einige Anbieter nutzen die Flexibilität, um günstige Graustrom-Phasen mit teuren Ökostrom-Phasen zu mischen – ein Modell, das für den Kunden schwer durchschaubar ist. Die Bundesnetzagentur rät Verbrauchern daher, nur Tarife mit festen Preisen und klaren Zertifizierungen zu wählen, um böse Überraschungen zu vermeiden.


Ökostrom ohne Mehrkosten: Geht das überhaupt?

Die gute Nachricht: Es gibt tatsächlich Ökostrom-Tarife, die nicht teurer sind als Graustrom – oder sogar günstiger. Der Trick liegt darin, Anbieter zu finden, die ihre Ökostrom-Zertifikate selbst erzeugen oder langfristige Verträge mit regionalen Erzeugern abschließen. Ein Beispiel ist der Anbieter EWS Schönau, der seit 2001 Ökostrom aus eigenen Anlagen anbietet und dabei keine Preiserhöhungen vorgenommen hat.

Doch solche Angebote sind selten. Die meisten Ökostrom-Tarife liegen preislich über dem Graustrom-Durchschnitt. Wer trotzdem sparen will, sollte regional vergleichen – denn die Preise für Ökostrom variieren stark je nach Bundesland. In Bayern oder Baden-Württemberg sind Ökostrom-Tarife oft günstiger als in Nordrhein-Westfalen, wo die Nachfrage nach Ökostrom höher ist und die Anbieter höhere Preise durchsetzen können.

Ein weiterer Tipp: Nutzen Sie Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox, aber achten Sie auf die Filterfunktion für Ökostrom-Zertifikate. Dort können Sie gezielt nach Anbietern mit OK-Power- oder Grüner Strom-Siegel filtern. Doch Vorsicht: Nicht alle Vergleichsportale kennzeichnen Ökostrom-Tarife korrekt. Die Verbraucherzentrale empfiehlt daher, immer die Website des Anbieters zu prüfen – und im Zweifel beim Kundenservice nachzufragen, wie der Strom beschafft wird.


Fazit: Lohnt sich Ökostrom überhaupt?

Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, was Ihnen wichtig ist: Möchten Sie die deutsche Energiewende aktiv unterstützen – oder reicht es Ihnen, Ihre persönliche CO₂-Bilanz zu verbessern? Wenn Sie bereit sind, für echten Ökostrom einen Aufpreis zu zahlen, dann lohnt sich der Wechsel zu einem zertifizierten Anbieter. Doch wenn Sie nur Ihre Rechnung senken wollen, können Sie auch zu einem Graustrom-Anbieter wechseln und separat CO₂-Zertifikate kaufen – das ist oft günstiger.

Eines ist jedoch klar: Nicht jeder Ökostrom-Tarif ist grün. Viele Anbieter nutzen die Nachfrage nach Nachhaltigkeit aus, um höhere Preise durchzusetzen – ohne dass der Kunde davon profitiert. Wer wirklich etwas bewegen will, sollte daher genau hinsehen, welche Anbieter in neue erneuerbare Energien investieren und welche nur mit leeren Versprechungen werben.


FAQ: Ihre wichtigsten Fragen zu Ökostrom-Tarifen

Kann ich Ökostrom ohne Mehrkosten beziehen? Ja, aber nur bei wenigen Anbietern wie EWS Schönau oder Naturstrom. Die meisten Ökostrom-Tarife liegen preislich über dem Graustrom-Durchschnitt.

Wie erkenne ich, ob ein Anbieter wirklich grünen Strom liefert? Achten Sie auf unabhängige Siegel wie OK-Power oder Grüner Strom. Seriöse Anbieter nennen zudem konkrete Kraftwerke oder Regionen, aus denen der Strom stammt.

Sind dynamische Ökostrom-Tarife empfehlenswert? Nicht unbedingt. Dynamische Tarife können günstige Graustrom-Phasen mit teuren Ökostrom-Phasen mischen – ein Modell, das für Verbraucher schwer durchschaubar ist.

Was passiert, wenn ich zu einem Ökostrom-Anbieter wechsle? Ihr Strom kommt weiterhin aus der Steckdose – der Unterschied liegt in der Herkunft. Echte Ökostrom-Anbieter speisen jedoch zusätzliche erneuerbare Energien ins Netz ein.

Kann ich meinen aktuellen Anbieter wechseln, ohne dass die Versorgung unterbrochen wird? Nein. Der Wechsel ist nahtlos – Ihr Strom kommt weiterhin aus demselben Netz. Der Anbieterwechsel dauert in der Regel 2–4 Wochen.


CTA: Jetzt Ihren Ökostrom-Tarif prüfen

Sie möchten wissen, ob Ihr aktueller Ökostrom-Anbieter wirklich grünen Strom liefert? Nutzen Sie unseren kostenlosen Vergleichsrechner und filtern Sie nach zertifizierten Anbietern. So finden Sie heraus, ob Sie für Ökostrom zu viel zahlen – oder ob Ihr Anbieter tatsächlich in die Energiewende investiert.

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Quellen
  • Bundesnetzagentur (2024): Bericht zur Stromnachfrage und Spitzenlast in Deutschland. Verfügbar unter: www.bundesnetzagentur.de
  • Verbraucherzentrale (2025): Ökostrom-Tarife im Check: Wer hält, was er verspricht? Verfügbar unter: www.verbraucherzentrale.de
  • Umweltbundesamt (2025): CO₂-Bilanz von Ökostrom-Tarifen: Eine kritische Analyse. Verfügbar unter: www.umweltbundesamt.de
  • WWF Deutschland (2025): Ökostrom-Marktstudie: Wer investiert wirklich in erneuerbare Energien? Verfügbar unter: www.wwf.de
  • Check24 (2026): Strompreisvergleich: Ökostrom-Tarife im Überblick. Verfügbar unter: www.check24.de
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