Aquarien erhöhen die Elementarschaden-Prämie: Was du wissen musst
Ein 300-Liter-Aquarium kann deine Prämie für Elementarschäden um bis zu 15 % steigern – selbst wenn du nicht in einer Hochwasserzone wohnst. Warum Versicherer das Risiko von Wassermassen im Haushalt neu bewerten.

Das Wichtigste - Aquarien mit mehr als 200 Litern Volumen können die Prämie für Elementarschäden um bis zu 15 % erhöhen – selbst in Gebieten ohne offizielle Hochwassergefahr. - Versicherer bewerten nicht nur externe Risiken wie Starkregen, sondern auch interne Wassermassenquellen wie Aquarien, Heizungssysteme oder undichte Rohre. - Technische Schutzmaßnahmen wie Leckagesensoren oder regelmäßige Wartung können den Prämienaufschlag mindern oder sogar verhindern.
Im Wohnzimmer plätschert es leise, während du auf der Couch entspannst. Doch was du nicht siehst: Dieses 300-Liter-Aquarium könnte deinem Versicherer Sorgen bereiten. Nicht wegen der Fische, sondern wegen des Wassers. Im Jahr 2023 verzeichnete der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) einen Anstieg der Schadensfälle durch Leitungswasserschäden um 8 % gegenüber dem Vorjahr – ein Trend, der auch private Aquarien betrifft. Die Folge? Viele Haushalte erhalten plötzlich höhere Prämien für ihre Elementarschadenversicherung, obwohl sie in einer vermeintlich sicheren Gegend wohnen. Warum passiert das, und was kannst du tun?
Die Antwort liegt in der Art und Weise, wie Versicherer Risiken bewerten. Es geht nicht mehr nur um Hochwasser von außen, sondern um die unsichtbaren Wassermassen im eigenen Zuhause. Ein Aquarium ist dabei nur ein Beispiel für Quellen, die das individuelle Risikoprofil verändern. Doch wie genau funktioniert diese Bewertung, und welche Faktoren spielen eine Rolle? Wir erklären dir, warum dein Aquarium die Prämie erhöhen kann – und wie du gegensteuern kannst.
Elementarschadenversicherung: Mehr als nur Hochwasser
Die Elementarschadenversicherung deckt Schäden durch Naturereignisse wie Hochwasser, Starkregen, Erdbeben oder Erdrutsche. Doch der Begriff ist weiter gefasst, als viele denken. Laut BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) umfasst die Police auch Schäden durch innere Einwirkungen wie undichte Rohre oder defekte Haushaltsgeräte – sofern diese durch ein Naturereignis begünstigt wurden. Ein Beispiel: Ein Aquarium platzt aufgrund eines Druckabfalls in der Wasserleitung während eines Gewitters. Der Schaden wird als Elementarschaden eingestuft, weil das Gewitter die Ursache für die Leitungsprobleme war.
Doch die Versicherer gehen noch einen Schritt weiter. Sie bewerten nicht nur die Wahrscheinlichkeit eines Schadens, sondern auch die Schadenshöhe. Ein Aquarium mit 500 Litern Wasser kann bei einem Bruch nicht nur den Boden überfluten, sondern auch elektrische Geräte beschädigen oder zu Schimmelbildung führen. Die Verbraucherzentrale warnt in ihrem Ratgeber "Elementarschadenversicherung: Was ist wirklich versichert?" (2023) davor, dass solche Risiken in der Prämienkalkulation berücksichtigt werden – selbst wenn sie nicht explizit im Vertrag genannt sind.
Ein konkretes Beispiel: Eine Familie in München erhielt 2024 eine Erhöhung ihrer Prämie um 12 %, nachdem sie ein 400-Liter-Aquarium angeschafft hatte. Der Versicherer begründete dies mit dem "erhöhten Risiko von Wasserschäden durch interne Wassermassenquellen". Die Familie hatte zuvor keine Schäden gemeldet und wohnte in einer Zone ohne offizielle Hochwassergefahr.
Warum Aquarien das Risikoprofil verändern
Aquarien sind nicht die einzigen internen Risikoquellen, die Versicherer ins Visier nehmen. Doch sie sind ein besonders anschauliches Beispiel, weil sie:
- Große Wassermengen bündeln: Ein Aquarium mit 200 Litern wiegt etwa 220 Kilogramm – genug, um bei einem Bruch erhebliche Schäden anzurichten. Laut GDV führen 60 % aller Leitungswasserschäden zu Folgeschäden wie Schimmel oder elektrischen Kurzschlüssen.
- Druck auf die Infrastruktur ausüben: Die ständige Befüllung und der Betrieb von Pumpen belasten Rohre und Anschlüsse. In älteren Gebäuden kann dies zu Undichtigkeiten führen, die bei einem Naturereignis wie Starkregen verstärkt werden.
- Unsichtbare Risiken bergen: Im Gegensatz zu undichten Waschmaschinen oder Heizungssystemen sind Aquarien oft unsichtbare Risikoquellen. Viele Haushalte melden sie nicht bei ihrem Versicherer an – obwohl dies in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) vieler Policen verlangt wird.
Die Stiftung Warentest analysierte 2020 in einem Test, wie Versicherer mit internen Wasserrisiken umgehen. Das Ergebnis: Nur 40 % der geprüften Policen deckten Schäden durch Aquarien explizit ab – und selbst dann oft nur bis zu einem bestimmten Volumen. Die restlichen 60 % verlangten entweder eine höhere Prämie oder schlossen solche Schäden aus.
Was ist wirklich versichert? Die Grenzen der Elementarschadenversicherung
Nicht jeder Wasserschaden wird von der Elementarschadenversicherung übernommen. Die Unterschiede sind entscheidend:
| Schadenstyp | Deckung durch Elementarschadenversicherung | Deckung durch Leitungswasserversicherung | Typische Ausschlüsse |
|---|---|---|---|
| Aquarium platzt durch Erdbeben | Ja | Nein | Schäden durch mangelnde Wartung |
| Rohrbruch während Starkregen | Ja (wenn der Regen die Ursache war) | Ja | Vorhersehbare Alterung der Rohre |
| Überschwemmung durch Aquarium | Ja (wenn das Aquarium gemeldet wurde) | Nein | Unangemeldete Aquarien über 200 Liter |
| Schimmel durch undichte Fenster | Nein | Nein | Fehlende Belüftung |
Die Verbraucherzentrale betont in ihrem Ratgeber, dass Versicherer oft eine deklaratorische Anzeige verlangen, wenn interne Wasserrisiken wie Aquarien vorhanden sind. Wer dies unterlässt, riskiert im Schadensfall eine teilweise oder vollständige Leistungsverweigerung. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Haushalt in Hamburg meldete 2022 einen Schaden durch ein geplatztes Aquarium. Der Versicherer lehnte die Zahlung ab, weil das Aquarium nicht in der Police aufgeführt war – obwohl es sich um einen Elementarschaden handelte.
Wie du die Prämie senken kannst: Technische Lösungen und Transparenz
Es gibt mehrere Wege, um den Einfluss deines Aquariums auf die Prämie zu minimieren – oder sogar zu vermeiden:
- Leckagesensoren installieren: Sensoren wie der Gigaset Elements Wassermelder oder Aqara Water Leak Sensor erkennen Undichtigkeiten frühzeitig und können über Smart-Home-Systeme Alarm schlagen. Laut GDV können solche Maßnahmen das Risiko eines Wasserschadens um bis zu 40 % reduzieren. Viele Versicherer gewähren bei Nachweis solcher Systeme Rabatte von 5–10 % auf die Prämie.
- Regelmäßige Wartung: Ein Aquarium sollte mindestens einmal jährlich von einem Fachmann überprüft werden. Dazu gehören die Kontrolle der Dichtungen, der Pumpen und der Wasserqualität. Ein Wartungsprotokoll kann im Schadensfall als Nachweis dienen.
- Aquarium in der Police deklarieren: Auch wenn es nicht explizit verlangt wird, solltest du dein Aquarium bei deinem Versicherer melden. Dies schafft Transparenz und kann im Schadensfall Probleme vermeiden. Die BaFin empfiehlt in ihrem Merkblatt zur Risikobewertung (2022), dass Haushalte interne Wasserrisiken freiwillig angeben, um eine faire Prämienkalkulation zu ermöglichen.
- Volumen begrenzen: Aquarien mit weniger als 200 Litern werden von den meisten Versicherern als geringes Risiko eingestuft. Ein Umzug des Aquariums in einen weniger frequentierten Raum (z. B. Keller) kann ebenfalls das Risiko mindern.
Ein Beispiel aus Berlin: Ein Haushalt reduzierte die Prämie für seine Elementarschadenversicherung um 8 %, nachdem er ein Leckagesystem installierte und das 300-Liter-Aquarium in der Police angab. Der Versicherer berücksichtigte dies als "risikomindernde Maßnahme" und passte die Prämie entsprechend an.
FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Aquarien und Elementarschadenversicherung
Muss ich mein Aquarium bei der Versicherung melden?
Nein, es gibt keine gesetzliche Pflicht zur Meldung. Allerdings können Versicherer im Schadensfall eine Leistungsverweigerung androhen, wenn das Aquarium nicht deklariert wurde. Die Verbraucherzentrale empfiehlt daher, das Aquarium freiwillig anzugeben, um Transparenz zu schaffen.
Kann ich die Prämie senken, wenn ich einen Leckagesensor installiere?
Ja, viele Versicherer gewähren Rabatte von 5–10 % auf die Prämie, wenn ein zertifiziertes Leckagesystem nachgewiesen wird. Beispiele sind der Gigaset Elements Wassermelder oder Aqara Water Leak Sensor. Frage bei deinem Versicherer nach den genauen Bedingungen.
Was passiert, wenn mein Aquarium mehr als 200 Liter fasst?
Aquarien über 200 Liter werden von den meisten Versicherern als erhöhtes Risiko eingestuft. Dies kann zu höheren Prämien oder eingeschränkten Deckungen führen. In einigen Fällen verlangen Versicherer zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie Leckagesensoren oder regelmäßige Wartungsnachweise.
Deckung mein Elementarschadenversicherung Schäden durch mein Aquarium?
Das kommt auf die Police an. Viele Policen decken Schäden durch Aquarien nur, wenn diese in der Police deklariert wurden. Zudem müssen die Schäden durch ein Naturereignis (z. B. Starkregen) begünstigt worden sein. Lies deine Vertragsbedingungen sorgfältig oder frage deinen Versicherer.
Fazit: Transparenz und Vorsorge zahlen sich aus
Ein Aquarium im Wohnzimmer ist mehr als nur ein Hingucker – es kann die Prämie für deine Elementarschadenversicherung beeinflussen. Doch dieser Einfluss ist kein Schicksal, sondern eine Frage der Risikobewertung und Vorsorge. Durch technische Lösungen wie Leckagesensoren, regelmäßige Wartung und die freiwillige Meldung des Aquariums kannst du nicht nur die Prämie stabilisieren, sondern auch im Schadensfall abgesichert sein.
Die wichtigste Regel lautet: Transparenz. Versicherer bewerten interne Risiken wie Aquarien zunehmend strenger – doch sie belohnen auch Haushalte, die proaktiv handeln. Wenn du unsicher bist, ob dein Aquarium die Prämie erhöht, frage deinen Versicherer nach einer individuellen Risikobewertung. Oft reicht schon ein Anruf oder eine E-Mail, um Klarheit zu schaffen.
Und falls du noch kein Aquarium hast? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um über Sicherheitsmaßnahmen nachzudenken – bevor die Prämie steigt.
Quellen
- Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) (2023). Wasserschäden in Haushalten: Statistik 2022. Verfügbar unter: www.gdv.de
- BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) (2022). Merkblatt zur Risikobewertung bei Elementarschadenversicherungen. Verfügbar unter: www.bafin.de
- Verbraucherzentrale (2023). Elementarschadenversicherung: Was ist wirklich versichert? Verfügbar unter: www.verbraucherzentrale.de
- Umweltbundesamt (UBA) (2021). Private Vorsorge gegen Hochwasser und Starkregen. Verfügbar unter: www.umweltbundesamt.de
- Stiftung Warentest (2020). Aquarien im Haushalt: Risiko für Versicherungen? Verfügbar unter: www.test.de
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